Acht Frauen – Acht Interviews zu weiblicher Sexualität

Was ist nun die Intention eines Interviews über weibliche Sexualität? Dies mag die erste Frage sein, die sich aufdrängt. Das Interesse für die Sexualität anderer Frauen entsprang persönlichen Erfahrungen und dem Wunsch nach Vergleich. Das Gefühl zu wenig zu wissen, über das was so wichtig zu sein scheint, dem Anschein nach überall präsent ist und doch verschwiegen wird.
So bin ich nicht der Meinung Sexualität sei ein Tabuthema, doch bekräftigen mich die Aussagen meiner acht Frauen in der Annahme, das zu wenig gesprochen wird, zu wenig Worte fallen und manches kaum reflektiert ist. Es kam mir manchmal vor, als sei dies ein Feld, auf dem jede für sich allein steht, Erfahrungen selten geteilt werden, obwohl Sexualität doch etwas ist, was jede/r in Begegnung mit sich selbst oder mit anderen irgendwann im Leben einmal erfährt.
Ich interviewte acht Frauen aus meinem persönlichen Umfeld getrennt voneinander, wobei mal mehr und mal weniger Alkohol im Spiel war. Selten sind wir dann übereinander hergefallen. Die jüngste ist 19 Jahre alt, die älteste 27. Im Durchschnitt ergibt sich ein Alter von 23.

Wie sich herausstellte, hatten alle mit demselben Mann geschlafen. – Scherz.

Ich hätte die Interviewauswertung wie folgt überschreiben können: „Manchmal ist Sex der einzige Weg, ihm mal nah zu sein“. Dies klang mir zu pathetisch, doch ist die Möglichkeit, den Artikel genau so zu überschreiben erschreckend bis verblüffend. Jene mögliche Überschrift war bereits im Vorfeld einer der vielen Gedanken, die mich am meisten beschäftigten. Wenn es eine These gab, dann jene. Doch nun einmal der Reihe nach. Ich hatte einen Interviewleitfaden vorbereitet, der verschiedene, der Sexualität zugehörige Bereiche, einschloss. So hatte ich anfänglich die Ebene der Selbstbefriedigung vergessen – eine recht zähe Thematik, wie sich herausstellen sollte.

Klar ist, dass es sich hier nicht um Aussagen handelt, welche für die gesamte weibliche Welt repräsentativ wären. Die Studie wäre wohl nicht einmal als solche zu bezeichnen und hält bei weitem keinen wissenschaftlichen Standards stand. Jedoch nimmt sie die Aussagen der acht Frauen ernst. So haben viele die Interviews als befreiend erlebt, fanden es sehr schön gefragt zu werden. Auch die Tatsache, dass da jemand ist, der wirklich wissen will, wurde als sehr positiv empfunden. Schon allein dafür hat sich die Fragerei gelohnt. Die Auswertung wird sich eher an der Oberfläche bewegen, da sowohl unzureichende Daten, als auch ein Mangel an Zeit, keine tieferen Einblicke zulassen.
An dieser Stelle sei betont, dass die männliche Sicht (ein großes Verzeihung an alle KonstruktivistInnen) auf einem anderen Blatt steht und nicht auf meinem – leider. Also, acht Frauen, acht subjektive Standpunkte und ich, die so verrückt ist, dies auswerten zu wollen…

Ist die Rede von sexuellen Erfahrungen, so stellt sich schnell die Frage nach dem Faktor, welcher eine Erfahrung zu einer sexuellen macht.
An dieser Stelle will ich mit dem Aufzeigen möglicher Ergebnisse, sowie Tendenzen (zumindest innerhalb dieser begrenzten Gruppe), Merkwürdigkeiten etc. beginnen, was für die interviewten Frauen eine sexuelle Erfahrung ausmacht.
Die jungen Frauen fanden hier unterschiedliche Ausdrücke für gewisse Regungen ihres Körpers. Da ist die Rede von „sexuellen Energien“, „Herzklopfen“ und einem „Kribbeln… und zwar da unten, aber innen“. Für die eine ist küssen „im Grunde schon eine sexuelle Erfahrung“, für die andere muss es da schon mehr sein. Auf jeden Fall ist Sexualität ohne den Körper nicht zu denken – logisch?! Da der Körper eine nicht unerhebliche Rolle zu spielen scheint, galt es sich mit ihm auseinander zusetzen. Gefragt war nach dem Verhältnis zum eigenen Körper und ebenso, ob das eigene Körpergefühl einen Einfluss auf Sexualität habe. Im letzten Punkt waren sich alle einig. Ein veranschaulichendes Zitat: „Sexualität hat etwas mit dem Körper zu tun. Wenn man unoffen mit seinem Körper umgeht, dann ist Sex schwierig. […] Dein Kopf ist nicht frei, du kannst dich nicht fallen lassen, der Sex ist nicht so erfüllt“.
In punkto Körpergefühl ist allerdings eine komplette Bandbreite an Aussagen auszumachen. Das Spektrum reicht von einem positiven Verhältnis zum eigenen Körper über ein sehr negatives bis zu Hass. In der Tat steht tatsächlich nur eine der Frauen wirklich uneingeschränkt positiv zu ihrem Körper. Ansonsten wird sich „eher arrangiert“. Eine der Frauen fand sich „nie hässlich“ (– wohl aber auch nie schön?), wieder eine andere mag ihren Körper an sich, „aber manche Sachen eben auch nicht“. Sowohl auffallend als auch erschreckend war, dass vier von acht Frauen die Pubertät nicht ohne Essstörung überstanden hatten. Ich will an dieser Stelle betonen, dass ich nicht der Meinung bin, mein Umfeld bestünde aus einem Haufen essgestörter Verrückter. Sie als durchschnittlich zu bezeichnen, wäre wohl aber auch an der Wahrheit vorbei. Allerdings sind sie Teil dieser Gesellschaft und können mit ihren Worten soziale Vorgänge – so will ich es mal nennen – erhellen. Nun an dieser Stelle eine interessante Sichtweise: „Frauen beziehen andere Probleme auf ihren Körper“. Eine Rolle spiele auch ein gewisses „Überlegenheitsgefühl gegenüber anderen Frauen“, welches sich wohl dann einstellt, wenn ausreichend „Kontrolle und Disziplin“ im Umgang mit dem eigenen Körper geübt wird. Die Rede ist hier auch von „Aggressionen gegen sich selbst“, welche in Bulimie oder auch Magersucht ihren Ausdruck fänden. Mittlerweile haben alle vier dieses Kapitel in ihrem Leben hinter sich gelassen. „Ich versuche es unwichtiger erscheinen zu lassen – kein Kalorienzählen mehr, nicht mehr sechs bis sieben Mal am Tag auf die Waage. Aber: davor bist du niemals sicher. Wenn du einmal in die Maschine gekommen bist…man trägt es immer in sich“.
Nun ist noch mal der Zusammenhang zur Sexualität herzustellen. Der Glaube daran, dass das Körpergefühl einen Einfluss auf das sexuelle Erleben habe, lässt sich anhand einiger Aussagen sehr gut nachzeichnen.
„Ich fand mich abstoßend, da hatte ich keine Lust, dass mir irgendjemand zu nahe kommt“.
„Ich hasse meinen Körper. Man sieht andere Frauen und vergleicht sich und stellt fest: ich sehe nicht so aus. Irgendwas stimmt nicht mit mir. Ich werte mich selbst ab. Das hat Auswirkungen. Ich zeige meinen Körper nicht – niemandem“.
Ihrem subjektiven Empfinden nach ist ihr Körper unzureichend. Dabei saßen mir sehr schöne intelligente Frauen gegenüber. Ich habe den Eindruck, dass jene, die in ihrer Pubertät nicht so starke weibliche Rundungen (wie das schon klingt…) ausprägten ein positiveres Gefühl zu ihrem Körper entwickelten. Dennoch scheinen auch sie nicht frei von dem ein oder anderen Gedanken an ‚Problemzonen’…

Wie sind nun aber die jeweiligen Erfahrungen mit Sexualität? Wie wurde die erste sexuelle Begegnung mit einem anderen Menschen erlebt?
Jene beiden, welche ihre erste sexuelle Erfahrung knutschenderweise mit einem „fremden Typ“ erlebten, empfanden dies eher neutral. Die Mehrheit hingegen hatte innerhalb einer festen Beziehung ihre erste sexuelle Erfahrung und erlebte diese als „eklig“, „sehr negativ“ oder fühlte sich unter Druck gesetzt. „Ich möchte das nie wieder haben, wenn das Sex sein soll“, so eine Aussage, die hier aber nicht repräsentativ für alle acht steht.

Ich bat die Frauen genau abzugrenzen, wann eine sexuelle Erfahrung für sie positiv und wann negativ sei. Welche ‚Bedingungen’ müssen gegeben sein? Hier ein Schlaglicht:
Ein positives Erlebnis geht einher mit:
„ungebunden sein; ohne Hemmungen; keine Lautstärke; Natur; kein Zeitdruck; kein Stress; habe mich geborgen gefühlt; war leidenschaftlich; Vertrauen; Wärme; Spaß; habe nichts um mich herum mitgekriegt; Gefühle waren da; Vertrauen; fallen lassen können; menschlich nah sein; los lassen; fallen lassen; Vertrauen; Liebe; ein Mann, den ich gern habe; müssten allein sein; viel Zeit; muss nicht mal einen Orgasmus haben; muss sich gut anfühlen; wenn ich merke, er ist bei mir; nur ich bin wichtig; wenn auch ich nichts anderes im Kopf habe; störungsfrei; gut kennen; Vertrauen; Entspannung; wenn ich nicht die ganze Zeit den Bauch einziehen muss; Liebe; Zuneigung; Romantik“.
Bei der Beschreibung negativer Erlebnisse wurde folgendes genannt:
„er hat nicht aufgehört; war gar nicht mehr da; wenn ich nicht dabei bin; in meinen Gedanken bin; wenn ich nicht will; totale Unsicherheit; wenn es weh tut; wenn ich mich unsicher und eklig fühle; wenn er nicht aufhört; Gewalt; wenn er versucht, mir seinen sexuellen Willen aufzuzwängen; wenn ich nicht will; hektisch; will fertig werden; One-Night-Stands; wenn er zu sehr auf sich bedacht ist“.

Welchen Stellenwert nimmt Sexualität im Leben der Befragten ein? Dies unterlag wohl häufig einem zeitlichen Wandel. Bezogen auf den Ist-Zustand lässt sich feststellen, dass Nähe und Wärme häufig als wichtiger empfunden werden. Auch Freundschaften oder „sich mit anderen Menschen zu verstehen“. Die eine oder andere möchte allerdings auch „ungern darauf verzichten“. Bei wieder einer anderen hat Sexualität einen „sehr hohen“ Stellenwert. Sie könne „Aufmerksamkeit daraus ziehen“ und Spaß hätte es auch schon immer gemacht. Jenem Empfinden stehen folgende Ansichten einer anderen Interviewten entgegen:
„Sex ist eine Sache, die ich mache, weil jemand anders es wichtig findet“.
„Ich fühle mich eher als Objekt, das zur Befriedigung eines Menschen beiträgt“. Und nicht zu vergessen: „Du bist halt auch dafür verantwortlich, dass du den Ständer wieder weg machst“. Dies klingt hier ganz schön einseitig. Jedoch tauchten jene Sätze auf… was soll ich also tun?
So unterschiedlich wie die Frauen, ist nun also auch der Stellenwert, den sie Sexualität in ihrem Leben beimessen, sowie auch der Grund für „sexuelle Betätigung“.

Weiter im Text. Was würdest du an deiner Sexualität ändern, wenn du es könntest? So eine Frage. Da schlägt uns Experimentierfreudigkeit einiger Damen entgegen – nun, sagen wir dreier Damen. Experimenteller soll es sein. Dann der Wunsch nach dem Wunsch nach mehr Experimentierfreude – verstanden? – darauf wäre selbst ich nicht gekommen. Eine andere hat maximal etwas am Wetter auszusetzen. Wieder eine andere würde gern das negative Gefühl zu sich selbst ändern, da sie damit auch eine positivere Änderung ihrer Sexualität annimmt. Und schlussendlich der Wunsch nach mehr. Und zwar: „küssen und streicheln und kuscheln, ohne Verkehr“.

Nicht nur nach dem Bedarf nach Veränderung der eigenen Sexualität, auch danach, was an der medialen Darstellung weiblicher Sexualität störend sei, wurde gefragt. Hier stand vorerst die Frage nach der persönlichen Wahrnehmung in Bezug auf das Fernsehen im Raum. Eine pauschale Antwort schien hier oft nicht möglich, da „kein einheitliches Bild“ existiere. Alsbald richtete sich das Gespräch auf das Subjekt ‚Porno’. Hier gab es schon konkretere Statements:
„Da spielt die Frau sexuell nicht wirklich eine Rolle; wenn die Löcher der Ohren groß genug wären, dann würden sie die wahrscheinlich auch noch einbeziehen; Pornos sehe ich nicht; sind schlecht; sollen reizen; tun sie auch; sind zu zielstrebig; verschobenes Bild; ist nicht der Reiz, den ich möchte; Porno kann ich nicht lange gucken; zu viel Input; ich will das gar nicht wissen, was andere machen; vergleiche ich dann; ist Druck; wenn es dem Mann gefällt…müsste man das jetzt machen?; Frauen werden objektiviert, auf ihren Körper reduziert, speziell in Pornofilmen; hat viel mit Macht zu tun; Frau wird gefickt; Machtgefälle zwischen Mann und Frau; keine gleichberechtigte Sexualität; bei den meisten geht alles zu schnell, mit zu wenig Gefühl; offen und expressiv; Frau dreht sich um, der Mann kommt von hinten – ich hasse das; Pornos sind schrecklich; Frauen werden immer so dargestellt, als wollen sie einfach nur genommen werden (weiß allerdings nicht, wann sie den letzten Porno gesehen hat – ist lange her); Sprache ist schlimm; furchtbar; richtig heftig; viele Männer; finde ich nicht gut; habe eine Abneigung gegen die Darstellung des Körpers auf diese Art und Weise (rein sexuelle Darstellung); mein Körper passt da nicht rein“.
Was gilt es demnach zu ändern?
„Der Körper soll nicht so im Vordergrund stehen (v.a. Aussehen); Nacktsein soll nicht immer etwas mit Sexualität zu tun haben; mehr auf die Sexualität der Frau eingehen; Machtzuschreibungen – Frau wird genommen, ist passiv; eher den Menschen darstellen; der Mensch im Vordergrund, nicht der Körper; nicht nur einen Typ Körper darstellen, sondern tausende Sachen, die total normal sind (Cellulitis… so was)“.
Dann der Wunsch nach mehr Raum für Fantasie, mehr Ästhetik oder auch weniger „hart, dolle, plump, krass“. „Weniger ist manchmal mehr“ und dies wohl auch im Bereich ‚Porno’. Ein Zitat, welches hervorragend geeignet ist, dem eben genannten ein Bild hinzuzufügen: „Ich brauch’ keine Nahperspektive von ’ner Muschi“.
Eine Äußerung, die auch im Zusammenhang mit medialer Darstellung weiblicher Sexualität stand, führt zum nächsten Bereich: „einfacher Steckkontakt ist für Frauen nicht immer die beste Lösung“. Ich hatte den Frauen ein Zitat vorgelegt, welches sich wie folgt ließt: „Klitoral kommen 80% der Frauen besser als vaginal“. Die Mehrheit der Frauen stimmt dieser Aussage zu. „Ohne Klitoris geht nichts“; „Ich dachte, es wären 100%?!“. Ich persönlich dachte immer, die vaginale Penetration sei das A und O. Dieser Glaube hatte sich irgendwie im Laufe meines unsäglichen Lebens, durch irgendwelche, nicht mehr vollständig rekonstruierbaren Kanäle, zu mir durchgefressen. Und dann so was: „Sex war fast immer vaginal und dabei hatte ich, seit ich Sex habe, nur ein oder zwei Mal einen Höhepunkt, wohingegen ich bei der klitoralen Selbstbefriedigung mehrere Orgasmen hintereinander bekommen kann“. Für wen das ganze also? Hhm, na ja, ich will ja hier keine aufwiegeln…
Wie steht es denn eigentlich mit der Offenheit dem eigenen Geschlecht gegenüber (herrje, das liest sich ja nun schon fast wie ein Pamphlet für ein Dasein als Wahl-Lesbe). Egal. Zwei Frauen haben keine Erfahrungen mit Frauen, in sexueller Hinsicht zumindest und haben auch kein Bedürfnis danach. Eine andere hat ebenfalls keine interessanten Episoden zu erzählen, „hat aber schon mehrmals darüber nachgedacht, aber es ist noch nie dazu gekommen“. Alle anderen haben andere Frauen schon einmal geküsst (häufig Freundinnen im Suff), doch nicht mehr. Die Rede ist hier von einer Hemmschwelle, die verhindere, tiefer gehende sexuelle Erfahrungen mit dem eigenen Geschlecht zu machen. Die Rede ist auch von einer „Schere im Kopf“. Ach, und dann weiß frau auch schon mal nicht wie sie „das machen soll“. Nur einmal kam es zu mutueller Masturbation (mutuell heißt ‚gegenseitig’ – ich musste dieses Wort einfach verwenden…). Sehr interessant fand ich die Aussage zweier Frauen, sie würden bei ihrer Selbstbefriedigung an Frauen und nicht an Männer denken (einige finden Frauenkörper auch viel schöner).
Nun gelingt die Überleitung zur ‚zähen Thematik’ der Selbstbefriedigung nahezu geräuschlos. Möglich ist maximal ein winziges Stöhnen, wahrnehmbar aus der hintersten Ecke unseres Bewusstseins – hhm.
„Das Thema an sich ist schwer zu besprechen; Männer holen sich einen runter und Frauen?; spiegelt noch mal Ungleichheit; ist bei Männern normaler; rede nicht darüber; fand ich damals (mit elf Jahren) schlimm; ist Tabuthema; hat mir nicht viel gebracht; habe Probleme mit meinem Körper, weil ich den nicht will und auch nicht kennen lernen will; vielleicht schon mit zwölf, aber schüchtern wie sau war ich; es war geheim und unendlich peinlich, auch für mich selbst; heute: ich rede darüber, aber selten mit wem anderes als dem Partner; aber so peinlich ist es nicht mehr; ich weiß es macht jeder; ich war 14 oder so, denk ich, vielleicht auch früher; eigentlich ist es etwas normales, aber mir fällt es sogar schwer, jetzt darüber zu sprechen; ich empfand das früher als etwas ekliges und perverses und ich habe mich den ganzen nächsten Tag dafür geschämt; mittlerweile bin ich damit offener, aber immer noch ziemlich verklemmt; mit meinem letzten Freund habe ich da recht offen drüber geredet; aber auch nur über seine Selbstbefriedigung; meine habe ich versucht zu verschweigen; mit Frauen nie darüber gesprochen; tabuisiert, peinlich zuzugeben“.
Nun wollen wir nicht so schwarz malen. Hier ein Lichtblick:
„Ich gehe offen damit um, dass ich mich selbst befriedige und das dies kurze Glücksmomente in mir auslöst; habe mir eine blau leuchtende Nachttischlampe erstanden (Vibrator – ist allerdings nicht mehr in Benutzung)“.

Ich kann es weder dem Amateur, noch mir selbst zumuten, hier noch weitere Ausführungen vorzunehmen. Material gäbe es da allerdings noch jede Menge. Abschließend möchte ich nun aber noch zusammenfassen, was meine acht Frauen einem Mädchen mit auf den Weg geben würden, welches seine ersten sexuellen Erfahrungen noch vor sich hat:
„du solltest es wollen und nimm, wen du wirklich magst; vielleicht hast du auch Pech, wenn er dich nicht so sehr mag; zwangsweise wird das irgendwie abgedroschen sein: sie soll nichts tun, nur um den anderen glücklich zu machen und zu behalten; ist allerdings leichter gesagt…; klare Granzen setzen; soll sagen, was es will, was nicht; nicht gleich alles Preis geben; nicht sofort mit dem Typen schlafen; Ich finde schon, dass das was Besonderes ist, und sie sollte es nur machen, wenn SIE sich dafür bereit fühlt und nicht wenn ihre Freundinnen es auch machen; da ist jeder wann anders dafür reif; keine Panik; Wasser ist für alle da; entspann dich; pass auf dich auf; verhüte; dass sie immer das Recht hat, zu sagen, dass sie etwas nicht mehr möchte; du bist ja ne verklemmt frigide Kuh, wenn du heutzutage mit 15 noch Jungfrau bist; von der Gesellschaft nicht unter Druck setzen lassen; ich würde ihr sagen, dass sie sich für das erste Mal Zeit lassen soll und nicht gleich den Erstbesten ‚ran lassen’ soll; Sexualität kann etwas wunderbares sein, wenn man ein erfüllsames Gegenüber hat … und sie brauch keine Angst davor zu haben; soll gucken, dass das was sie macht ihr auch gefällt und ansonsten Mut aufbringen Nein zu sagen; selbstbewusst sein; kein schlechtes Gewissen machen lassen; soll vorerst selbst herausfinden, was ihr gefällt, um unangenehmen Situationen soweit aus dem Weg zu gehen“.
Mit jenen Ratschlägen an die Nachwelt, will ich nun die Auswertung abschließen und bin mir nicht wirklich im Klaren, ob ich diesen Schriebs hier tatsächlich ‚Auswertung’ nennen kann. Wer nun auch noch ein Fazit erwartet, wird enttäuscht werden. Es gibt keins.

Acht Frauen, acht Mal Dank für ihre Offenheit – und ein Wunsch: gebt auf euch Acht. Oder habt Achtung vor euch selbst!

1 Antwort zu “Acht Frauen – Acht Interviews zu weiblicher Sexualität”


  1. 1 Uta

    Ich finde Deine Studie und auch den Text wunderbar. Meiner Meinung nach ist das Problem der heutigen, unserer (Frauen)Generation, dass sowohl mann als auch frau nur scheinbar ach so offen und ach so aufgeklärt ist. Die weibliche Sexualität ist auch heutzutage noch (oder wieder) besonders für das männliche Geschlecht eine Blackbox. Stichwort: Wo bitte gehts hier zur Klitoris? Und, wie Deine obige Studie zu belegen scheint, es wird nicht wirklich viel über das sexuelle Erleben der Frau geredet. Weder unter Frauen, noch in “den Medien”. Ich denke dies ist ein Rückschritt. In den 70er Jahren hat es im Zuge des Feminismus zahlreiche Studien gegeben, allen voran der Hite Report ( Shere Hite, Das sexuelle Erleben der Frau), die sehr ähnliche Ergebnisse gebracht haben wie die obige Studie. Auch Alice Schwarzers Buch “Der kleine Unterschied und seine großen Folgen” sei hier erwähnt, auch wenn das Wort und die Anhänger des Feminismus heutzutage ja eher verpönt sind.
    Ich denke, dass Studien wie diese, in denen frau sich offen zur eigenen Sexualität äußert, wichtig sind, um einerseits unter Frauen ein eigenes sexuelles Selbstbewusstsein zu schaffen, dass (möglicherweise) von dem überalterten patriachal geprägten Verständnis der weibleichen Sexualität abweicht, und gleichzeitig auch eine Grundlage für ein gewisses Verständnis um weiblichen Sex bei Männern schafft.
    Jede Frau sollte den Hite Report wenigstens teilweise gelesen haben. An sich auch jeder Mann, aber mensch will ja nicht nach den Sternen greifen.

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