Autoren-Archiv für marco

Das Buch der Bücher

Das Buch der Bücher

Es gibt Dinge im Leben, deren Sinn man trotz aller Bemühungen nie ganz versteht. Was hat die Liebe zum gedruckten Wort etwa damit zu tun, in Messenhallen mit der Gemütlichkeit einer Shopping-Mall, eingezwängt in einer Herde dick bebeutelter Menschen und von ihr zwischen Regalen und Verkaufsständen, Druckwerken und Durstlöchern, Hörbüchern und Bockwürsten hindurch umhergetrieben zu werden? Weiterlesen von ‘Das Buch der Bücher’

45 Gramm

Foto von HolySnappers (Flickr)

Manchmal sagen Zahlen mehr als tausend Worte. Ein A4-Blatt ganz normalen Druckerpapiers wiegt ca. 5 Gramm, das Heft ‘Der Amateur #5′ wiegt etwa 45 Gramm.
 Jeder einzelne Mensch in diesem Land liest, beschreibt, zerreißt, ignoriert, entsorgt, kurzum verbraucht im Jahr ca. 233 Kilogramm Papier, Pappe und Karton (Stand 2005). Theoretisch sind das 46.600 A4-Seiten oder 5178 Hefte von ‘Der Amateur’. Im Jahr 1950 waren es nur 32 Kilogramm pro Einwohner. Sind wir in dieser Zeit ein Volk von Bücherwürmern und Leseratten geworden? Oder erging es dem Papier nur wie anderen natürlichen Ressourcen, wie etwa Wasser, Energie und Nahrung? 
Steigt die verfügbare Menge eines Gutes, sinkt sein Wert. Für diese Einsicht braucht Mensch keinen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften. Mit dem Überangebot an Papier verliert jedoch nicht nur das Material an Wert für uns, sondern auch die Ideen, welche es treu bis zu seinem Ende beherbergt. Heute waten wir in einer Flut von gedruckten Konsumanreizen und Printprodukten von mannigfaltiger Quantität, aber zweifelhafter Qualität. 233 Kilogramm, 46.600 A4-Seiten, angesichts dieser Zahlen verliert sich, was davon zählt. 
Aus diesem Grund hat sich ‘Der Amateur’ für ein Geben und Nehmen entschieden. Jedes Heft wird zu 100% auf recyceltem Papier gedruckt und teilweise aus dem Recycling von bedrucktem Papier finanziert.

Editorial der 4. Ausgabe

Kunst und Konsum, das ist der Inbegriff einer ambivalenten Beziehung. Ob Kunst oder Arbeit, die Würdigung dessen was eine Person tut, wird heutzutage mit Moneten angezeigt. Ohne Taler in der Tasche ist ein jeder von uns brotlos. Aber dient der Kommerz noch dem Künstler oder nicht längst der Künstler dem Kommerz? Betrifft diese Frage nicht alle Menschen? Wer soll diese Fragen jedoch noch beantworten, wenn der Geist des Geldes selbst vor den Geisteswissenschaften nicht halt macht.
Nur wenn die Berufung nicht zum Beruf wird, bleiben wir Amateure statt Profis. Ein Amateur glaubt daran, dass lieb nicht gleich teuer ist, er nimmt sich die Freiheit des Schaffens und pfeift auf den Zwang der Märkte.
Die Welt braucht Amateure.

Die Totengräber

Es ist nun zwar schon wieder den einen oder anderen Monat her, als sich mir als passioniertem „Volksstimme“-Leser ein Diskurs aufdrängte, der schließlich auch mein Herz berührte. Es wurde immerfort von fiesen Verbrechen berichtet, die eigentlich niemanden kalt lassen können. Weiterlesen von ‘Die Totengräber’

Touché!

Aus der Serie „Deutschland eine Weltreise“: Waterloo

Von Uwe, Marco und Martin

Nachdem wir uns auf unserer „Weltreise“ bisher nur in sonnenreichen Gegenden unseres Planeten herumgetrieben haben und vielleicht der Eindruck enstanden sein mag, wir täten dies nur zu unserem Vergnügen, war die Zeit längst gekommen, um die Ernsthaftigkeit unserer Expedition unter Beweis zu stellen. Am geeignetsten dafür erschien uns ein Ausflug in die oftmals dunkle Vergangenheit Europas. Da die Geschichte unseres geliebten Heimatkontinents geprägt ist von blutigen Auseinandersetzungen, lag es nah den Originalschauplatz einer dieser heroischen Gemetzel zu besuchen. Es gibt nur wenige Schlachten die ihren Bekanntheitsgrad über die etlichen Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte dermaßen aufrechterhalten konnten, wie jene bei Waterloo. Dies mag zum einen am klingenden Namen der belgischen Ortschaft liegen, die ihr den Namen gab, welcher schließlich auch ABBA zum größten Grandprixhit aller Zeiten inspirierte. Zum anderen war diese Schlacht einer dieser magischen Momente in denen sich ganz Europa in seinem Herzen einfand, um sich mal wieder so richtig die … ähh … Meinung zu sagen. Kein Wunder also, dass sich der Sitz der Europäischen Union in genau jenem kleinen Land befindet, in dem auch die Schlacht bei Waterloo stattfand.
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Die Krone der Werteschöpfung

Die Gewaltspirale dreht sich in den Niederlanden. Unaufhörlich wird ein Gewicht nach dem anderen auf die Waage der Selbstjustiz gelegt. Nach dem Mord am Islam-kritischen Filmemacher Theo van Gogh durch einen radikalen Moslem brennen Moscheen, daraufhin Kirchen und schließlich wiederum islamische Schulen. Rächer rächen sich an Rächern und man ist gezwungen an den Nahen Osten zu denken. Diese schrecklichen Ereignisse in der Nachbarschaft können und dürfen uns nicht kalt lassen. Die Frage ob so etwas auch bei uns geschehen könnte steht düster und drohend im politischen Raum. Während die Regierungskoalition scheinbar zum Tagesgeschäft übergeht, ruft vor allem die CSU laut nach Konsequenzen in der Integrationspolitik.
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Im Rausch der Tiefe

Frühes EM-Ausscheiden, letzter Platz im europäischen Wachstumsvergleich. Was nun?

Zuerst PISA, dann die rote Laterne im europäischen Wachstumsvergleich und jetzt auch noch das: Deutschland gehört auch im Fußball nicht mehr zur europäischen Spitze.
Ganz Deutschland fragt: Was nun? Im Jahr 2006 findet die Weltmeisterschaft nicht nur in unseren Wohnzimmern, sondern auch direkt in unserem Land statt, und in den Träumen von 80 Millionen Deutschen ist der Titel für „unsere Jungs“ schon gebucht. Rudi Völler weckt uns jedoch mit seinem Rücktritt unsanft auf, er glaubt nicht, er könne uns unsere Träume erfüllen. Auch das noch. Durch die Gesellschaft geht ein Ruck des Entsetzens, auf den tiefe Ratlosigkeit folgt. Erst die Europameisterschaft verloren und nun auch noch den besten Mann auf dem Platz. Lieber hätte die ganze Mannschaft zurücktreten sollen, das ist den Experten der Presse und des Stammtisches sofort klar. Wie soll es jetzt bloß weitergehen, wer oder was kann uns retten?
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Deutschland eine Weltreise

Warum machen manche Menschen eigentlich für Tausende von Euronen Reisen rund um die Welt? In vier Wochen durch die Staaten, von der Ost- zur Westküste, dann zum unverzichtbaren Urlaubs-Nachweis-Sonnenbad an die Copacabana, Fidel zuwinken auf Cuba, den Zoo mal ohne Zäune in Südafrika, Wasserpfeife ohne Zweideutigkeit in Saudi-Arabien, ein bisschen Mitleid für die Armenviertel von Bombay und schnell noch einen Bumerang als Souvenir. Geht es um die Eindrücke von Natur und Kultur, um die guten wie schlechten Erfahrungen mit Menschen aus aller Welt? Vor allem geht es um Postkarten und um die Photos. Der Vati mit Harley-Davidson-Shirt neben dem Schild der Route 66, die Mutti Didgeridoo blasend vorm Ayers Rock. Man braucht Beweise, sonst wird der Ausspruch „da war ich schon“ zur Farce. Es gibt leider genug Menschen, die sich mit ihren Urlaubszielen schmücken wie mit der hässlichen 40€-Haarspange von Dolce&Gabbana.
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Mehr als Meer?

Aus der Serie „Deutschland eine Weltreise“: Kalifornien

„Wo gibt es mehr als Meer…? In Kalifornien an der Ostsee.“ So wird man auf der „offiziellen“ Homepage des kleinen Ostseebades Kalifornien begrüßt. Für alle Geographie-Studenten, Kalifornien ist Teil der Gemeinde Schönberg im Kreis Plön. Im Klartext, es liegt 20 Kilometer nordöstlich von Kiel, direkt hinter dem Ostseedeich. Mit seinen 60 Einwohnern und einer Hand voll Straßen ist es eher überschaubar. Die Häuser reihen sich wie die Autos vorm Elbtunnel gut 2 Kilometer den Deich entlang, an jedem zweiten steht Ferienwohnung oder Gästezimmer frei. Frei sind sie allerdings nur im Winter, im Sommer schwillt die Zahl der Bevölkerung mit Hilfe der Kalifornien-Urlauber schon mal ganz locker auf das 20fache an. Dann kann man wie im amerikanischen Vorbild Surfer gegen die aufgewühlte See und den peitschenden Wind ankämpfen sehen, wenn man Glück hat, sogar leicht bekleidete Sonnenanbeter.
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