Werner Köhler: Cookys
Die Reise in einen der bilderreichsten Romane meiner letzten Jahre.
Der Lesefluss ist vergleichbar mit dem einer in Bildern erzählten Leinwandproduktion. Wie ein Film vor dem geistigen Auge bewegen sich erzählte Teile des Romans über die Leidenschaft am Kochen und einer intensiv verlebten Jugend.
Der Ich- Erzähler Gerd Krüger nimmt dich mit auf seine Reise in eine genusshafte und dem leiblichen Wohle verfallenene „Lebens-Geschichte“. Die Art, auf eine bestimmte Weise zu kochen, das Leben und Gefühl eines speziellen Augenblicks treffend in einem Menü für den Moment festzuhalten, und der musikalische Unterton der 80er Jahre als Beilage sind ein Wohlgeschmack für Magen, Ohr und das geistige Auge deiner eigenen Fantasie.
Der Erfolg einer fruchtenden Beziehung, den Gerd Krüger über den ganzen Roman bei Frauen versucht zu erreichen, stellt sich erst ein, als er das für damalige Verhältnisse exotische Hobby des Kochen für sich entdeckt. Der sich fast selbstverständlich einstellende Erfolg bei den Frauen und die Leichtigkeit, mit dem anderen Geschlecht in Kontakt zu kommen, treibt seinen Ergeiz für das gefundene Talent immer weiter an.
Verschiedene Stationen in Europa, bei welchen ihm kulinarische Köstlichkeiten in ihren Bann zogen, verhalfen ihm letztendlich zu einem erfolgreichen Geschäftsprojekt, seinem eigenem Restaurant „Cookys“. Seine ganz spezielle Eigenart der Esskultur, die Liebe zu seiner Berufung als Koch und die Freundschaft zu seinem Personal durchziehen diesen Roman.
Die Geschichte findet seinen Anfang in den 70er Jahren, Gerd Krüger ist ein Junge wie jeder andere zu dieser Zeit. Mit Mädchen noch nicht so viel Erfahrung, aber andauernd verliebt. Die ersten „Erfahrungen“ mit dem anderen Geschlecht macht er auf einer Party, wild knutschend und Händchen haltend gewinnt er seine erste Freundin Monika. In „The Art of Wixen (1968)“ wird er dann von seinem reiferen und in diesen Angelegenheiten schon weiter entwickelten besten Freund Peter eingeführt, genauso wie in den Kreis der Drogenpartys und der Musik. Viele Drogenabende werden in seiner späteren Ein-Raumwohnung zelebriert, der kulinarische Leckerbissen zum Drogenrausch wird tagsüber in akribischer Kleinarbeit und völliger Hingabe zum Kochen von ihm zubereitet und zelebriert. Drogen, Musik und Kochen bestimmen sein Leben in diesen Jahren des Erwachsenwerdens.
Fehlschläge und Lebenserfahrungen sammelt er reichlich, die Gabe und das Talent des Kochens sollen sein Leben von nun an bestimmen und leiten.
Der Entschluss, ein kleines Örtchen am Vierwaldstätter See in der schönen Schweiz aufzusuchen, um ein völlig neues Leben ohne Drogen anzufangen und sich seiner Leidenschaft, dem Kochen, hinzugeben, war der Start in eine Zukunft mit Perspektive nach einem schrecklichen Ereignis. Der Weg über die Schweiz nach Italien an ein Restaurant der gehobenen Klasse ermöglichte ihm die Planung seiner Zukunft. Das dort bezahlte Lehrgeld und die nun erlangte Bestätigung für sein Talent bringen ihn einen großen Schritt näher an sein Ziel/ Traum, ein eigenes Lokal zu eröffnen und zu führen.
Mit dem am 1. September 1978 eröffneten City-Grill war er der neue Frittenkönig. Es ging ihm darum, in möglichst kürzester Zeit so viel Geld wie nur möglich anzuhäufen, um den Traum von einem Spitzenrestaurant schnell näher zu kommen. Der Prämisse, „zum kleinen Geld frische Ware“ in seiner Frittenbude zu servieren, blieb er treu. Der Anfang für seine Stammkundschaft war gemacht, sie sollten ihm später folgen und immer treu bleiben.
Seine spätere Küchenmannschaft besteht aus Unikaten, nach den persönlichen Vorstellungen des Chefs ausgewählt und die jeweils Besten in ihrem Fach. Sein Konzept eines Restaurants für jedermann und trotzdem exklusiv und ein Team mit Stärke und Menschlichkeit verhelfen ihm zu seinem Ruhm. Die kleinen Feinheiten des erzählten Traumes am Wegrand dieser Geschichte lassen das Lesen menschlicher, direkter und erlebenswerter erscheinen.
Die Stationen seines Aufstiegs werden in einzelnen Kapiteln wiedergegeben, die Entwicklung vom unreifen, pubertierenden Kind zum seriösen Geschäftsmann mit fest verankerten Grundsätzen bilden das Grundgerüst dieses Romans, der von Schicksalsschlägen und verwirklichbaren Träumen erzählt.
Der Autor Werner Köhler gibt auf seiner Homepage http://www.werner-koehler-koeln.de alle im Roman aufgetischten Rezepte und eine komplette Discographie der genannten Platten zum Herunterladen preis. Wer also auf kulinarische Leckerbissen steht, die dazu finanziellen Mittel eines erfüllten Abend in einem Spitzenrestaurant aber nicht besitzt, oder vielleicht auf seine Figur achten möchte, dem bietet dieser Roman alles, was man braucht, um glücklich und gesättigt die Reise in unsere Gegenwart wieder anzutreten.
Bitte lesen, denn es findet sich immer eine genüssliche Situation zum Reflektieren des Gelesenen.

Werner Köhler: Cookys
Kiepenheuer & Witsch, März 2004
327 Seiten zu 9,90 €


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