Ein Stattplan muss her!

Wenn ich mich in eine fremde Stadt begebe, schätze ich es, das urbane Geflecht zu erlaufen. Es ist für mich eine Art persönliche Annäherung an städtische Räume, nicht zu vergessen mit Hilfe des Fotoapparats. Das macht sich zwar zumeist an den Füßen durch Blasen bemerkbar, aber das nehme ich gern in Kauf. Auf diese Weise kann ich nur eine klitzekleine Stichprobe erfahren und verpasse womöglich spannende Seiten einer Stadt.

Die Probe ließe sich ein wenig verfeinern, wenn ich mich im Vorfeld auf die Stadt vorbereiten und dann gezielt Orte von Interesse abarbeiten würde. So könnte ich der zeitlichen Knappheit einen Strich durch die Rechnung machen. Dies setzt wiederum voraus, dass ich mir vor Antritt der Reise auch die Zeit nehme, ein wenig Recherche zu betreiben. Allerdings hab ich das in der Vergangenheit nur selten gemacht. Vielmehr habe ich mir einen Reiseführer besorgt und dann während der Reise diesen genutzt. Das Problem mit konventioneller Reisebegleitliteratur ist, dass sie einen Fokus setzt, der nicht immer meiner ist. Ich schätze nicht notwendigerweise „Insider Tipps“ aus der Marco Polo-Reihe.

Wir müssten alternative Stadtpläne erstellen, in denen nicht der Tourist als Konsument im Vordergrund steht, sondern der vielfältig neugierige Mensch. Mir schwebt da ein Plan vor, in denen auch kulturelle, politische und ökonomische Kollektive vorgestellt werden, die in Mainstreamplänen nur selten Beachtung finden. Da könnten dann alternative Projekte wie Cafés, Volxküchen, Wohnungsprojekte, etc. drinnen gesammelt beieinander stehen. Sicher kann mensch sich sowas meistens im Netz zusammensuchen, aber es wäre für den politisch-bewussten Gast eine große Orientierungshilfe, wenn ein solcher Plan kompakt als Druckerzeugnis und auch Internetseite verfügbar wäre. Ein solcher alternativer Reisebegleiter–ich vermeide hier das Wort Führer–würde den explorativ-abenteuerlichen Aspekt des Erlaufens einer Stadt nicht ersetzen, sondern eher eine gewisse Hilfestellung darstellen.

Auch könnte ich mir gut vorstellen, dass bei der Erstellung eines solchen Plans die lokalen Projekte sich darüber auch ein wenig kennenlernen und vernetzen würden. So ist es wichtig diesen Plan stetig auf den neuesten Stand zu halten–linke Projekte sind naturgemäß gefährdet–was sich mit Hilfe eines Wikis gut realisieren ließe. Veranstaltungen, Aktionen, selbstgezeichnete Straßenpläne, Fotos und viel mehr könnte sich dort wiederfinden. Der Kollektivtourist würde sich so ein ungefähres Bild von der politischen Sphäre einer Stadt machen können, welche er dann mit Hilfe des Stattplans genauer kennenlernen könnte. In der Ökonomie würde mensch wahrscheinlich von einer Win-Win-Situation sprechen: sowohl Kollektivtouristen als auch lokale Projekte würden von dem Stattplan profitieren. Da es sich hierbei aber nicht um eine Idee der konventionell-kapitalistischen sondern einer entstehenden post-kapitalistischen Ökonomie handelt, könnte ein solcher Plan ein weiteres Werkzeug gesellschaftlicher Emanzipation bedeuten. Aktive könnten sich besser finden, Erfahrungen und (Überlebens-)Strategien in ihrer Praxis austauschen und gemeinsam eine neue Welt schaffen.

1 Antwort zu “Ein Stattplan muss her!”


  1. 1 Wilfried Dive

    Stadtplan?

    Füße?

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