Am Geschäft des Genusses verdienen nur Wenige. Und diese Wenigen sind nicht die Bauern. Und wenn die Idee von fairem Handel nicht stärker in das Bewusstsein der Konsumenten gelangt, werden diese Bauern in der Dritten Welt wohl nie den wirklichen Preis ihrer Arbeit entlohnt bekommen. Für die seit nunmehr 30 Jahren bestehende Bewegung hat sich aber nach wie vor nichts an ihrem „Motto“ geändert, denn: die „Politik mit dem Einkaufskorb“ sichert Millionen in den Herkunftsländern eine menschenwürdige Existenz und dafür lohnt es zu konsumieren.
Wer sich mal wieder etwas gönnen möchte, [der] sollte einkaufen gehen. Aber richtig! Darf’s [auch] ein bisschen mehr sein? Ja, mehr Qualität – sozial und ökologisch.“
Und damit dieser Qualitätsanspruch dem Kunden garantiert werden kann, tragen fair gehandelte Produkte ein internationales Siegel, vergeben von der „unabhängigen“ Einrichtung Transfair. Diese Einrichtung definiert Kriterien für eine Produktion, die, um ökologisch wertvoll zu sein, Rücksicht auf Natur und Produzenten nimmt. Weitgehend ist die Meinung verbreitet, bei fair gehandelten Produkten handelt es sich lediglich um Produkte, die einen fairen Preis für die Produzenten garantieren sollen. Der Einsatz von Transfair umfasst aber mehr:
„Standard sind umweltverträglich und schonende Anbau- sowie Verarbeitungsmethoden, der [hoffentlich] weitgehende Verzicht von Pestiziden, Dünger und anderen Chemikalien, die soziale Sicherung und “faire Löhne“ [So gut dieses Idee auch klingen mag, meiner Meinung nach dreht in der ganzen Kette immer noch ein Rad zu viel: Wird denn der hier auf den Ladentisch gelegte Aufpreis im vollen Umfang, dass heißt ohne die Abzüge der Importeure und Verwaltungsapparate, an die Bauern ausgezahlt? Oder erhalten sie am Ende doch nur einen winzigen Bruchteil des Geldes, für welches ich den Aufpreis im Laden zahlt. Ist das am Ende wieder fair gehandelt?] für die Arbeiterinnen und Arbeiter, die Einhaltung grundlegender Menschenrechte sowie das Verbot von Kinderarbeit.“
Gehandelt werden diese Produkte dann hier in Deutschland in rund 800 deutschen Weltläden, sowie in über 20.000 Supermärkten und anderen Einzelhandelsketten (Rossmann bietet fair gehandelten Kaffee im Sortiment an). Somit kann über den fairen Preisaufschlag eine breite Palette von Produkten gefördert werden. Geschichtlich ist das Engagement aus christlich motivierten Gruppen hervorgegangen, die die Ungerechtigkeit (Ausbeutung der Bauern und ihrer Familien) auf den Weltmärkten nicht länger widerspruchslos hinnehmen wollten.
Kaffee ist und bleibt das bekannteste Produkt, das fair gehandelt wird. Daher bietet es sich auch an, am Produkt Kaffee, den Handel von fair verkauften Produkten kurz zu erläutern. Die Palette, geht man in einen Eine Welt-Laden einkaufen oder auch nur „bummeln, ist jedoch weitaus größer und vielfältiger. Neben der wachsenden Produktpalette von Kaffee, das Siegel „Transfair“ ist nicht länger nur noch bei Filterkaffee zu finden, sondern auch auf Espressopackungen und löslichem Kaffe zu sehen, lassen sich Bananen, Honig, Fußbälle oder auch Tee dort finden und neben Kunsthandwerk erwerben.
Schenkt man Statistiken Glauben, so ist Kaffee das beliebteste Getränkt (auch mich verwunderte es, dass in diesem Zusammenhang nicht von Bier die Rede war) in Deutschland. Mit rund 800 Tassen pro Kopf und Jahr (Quelle: siehe Von der Bohne bis zum Pad. In: tazthema fairer handel, Seite IV) rangiert es noch vor Coca Cola und Tee. Traurig bleibt leider anzumerken, dass nur 0,8 Prozent des in Deutschland konsumierten Kaffees aus fairem Handel stammt. Ein möglicher Grund kann der zuweilen abschreckend hohe Preis sein. Denn der geförderte Verkauf von fair gehandeltem Kaffee ist deshalb so hoch, weil der auf dem Weltmarkt gezahlte Preis pro Pfund für „Siegelkaffee“ doppelt so hoch liegt, wie der übliche Weltmarktpreis. Denn nur die wenigsten Verbraucher sind sich darüber im Klaren, welche mühsame Arbeit in der Herstellung von Kaffee steckt. Und auch darüber, zu welchem Preis die Kaffeepflücker dafür entlohnt werden. Eine Ursache für die schlechte Bezahlung war beispielsweise der in den letzen 4 Jahren stark schwankende Weltmarktpreis von Rohkaffee. Überproduktion und Preisdumping waren ausschlaggebend. Um diese extremen Preisschwankungen auf dem Weltmarkt abzufedern und somit der Abhängigkeit für Kleinbetriebe entgegenzuwirken, gibt es einen garantierten Mindestpreis für die Erzeuger von 126 US-Dollar pro englischem Pfund Rohkaffee. Auch soll mit dem fair gehandelten Kaffee die soziale Absicherung und der Schutz der Gesundheit des Arbeiters gewährleistet und finanziert werden. Wie oben bereits erwähnt, soll auch ein kleiner Beitrag für die Umwelt geleistet werden. Mit einem garantierten Bio- Aufschlag soll bewirkt werden, dass viele fair gehandelte Kaffeesorten in ökologisch verträglicher Landwirtschaft angebaut werden.
“Durch einen Mischanbau unter Schattenbäumen und mit Bodendeckern kann [somit] auf Pestizide und Düngemittel verzichtet werden.“
Gut für uns Verbraucher und gut für die Leute vor Ort, die täglich damit in Berührung kommen. Und um den Verbrauchern & den Händlern von Kaffee den umfassenden und gesamten Produktionsprozess, vom Pflücken der Kirschen bis zur Röstung der Bohnen näher zu bringen, ließ das Fairhandelshaus gepa eigens einen Film drehen, in welchem zwei Genossenschaften in Costa Rica und Honduras vorgestellt werden. Bei Interesse ist das Viedeo über die gepa zu beziehen (Quelle: siehe Von der Bohne bis zum Pad. In: tazthema fairer handel, Seite IV).
Ein fair gehandeltes Produkt mag durch den höheren Anschaffungspreis vielleicht nicht unbedingt besser schmecken, der Genuss verdoppelt sich jedoch, wenn man die soziale Tat mit dem Erwerb des Produktes in Beziehung stellt.


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