Ganz normale Flamingos

Flamingos Zoo MDMeine sehr verehrten Damen und Herren, ich freue mich natürlich urst, an dieser Stelle ein Forum vorzufinden, das meine innersten und drängendsten Gedanken schwarz auf weißem Grund widerzugeben evtl. in der Lage sein könnte. Äußerst gerne würde ich hier die Grundzüge einer noch mit Leben zu füllenden Rubrik “Ich glaub’, mein Schwein pfeift!” skizzieren. Leider jedoch habe ich dazu überhaupt keine Muße.

Sicher trifft es sich überaus schön, dass die Anregungen ohnehin schon wie junge, noch unbedarfte Schäfchen völlig frei und ungehemmt vor die Tastatur des angehenden Teilzeit-Freizeitenthusiasten springen und somit nur noch angekirrt und auf die abgezirkelten Weiden freundlicher, anmutiger Formulierungen komplimentiert werden müssen.

Andererseits würde auch bereits ein solch einvernehmlicher Akt harmonischer Verherdung ein größeres Pensum an kreativem Potential erfordern, so dass die noch zu konzipierende Rubrik, die alternativ auch “Ich glaub´, mein Hamster bohnert!” heißen könnte, bei näherem Nachsinnen in immer weitere Fernen rückt.

Eine solche, völlig utopische Kolumne müsste überhaupt erst einmal durch klare, eindeutige Formulierungen bestechen! Kein umständliches Germanistengezwurbel, keine geschraubte, zweideutige Individualistenschreibe dürfte sich in die Herde der reinweiß- heidschnuckigen Gewissheiten einschleichen und die grünen Gräser der saftigen Wahrheitsauen mit ihren schwarzfelligen Bockskötteln verunreinigen. Klar verständlich, kompromisslos einfach und herzzerreißend schön müsste sie sein. Ganz normal eben!

normalDabei meine ich selbstverständlich nicht “normal” im Sinne der Bedeutung, die bspw. der Frage inne wohnt, die vonseiten des Kassenpersonals in magdeburger Preiswertmärkten regelmäßig der Bitte um Aushändigung einer Packung Zigaretten entgegen gehalten wird: „die Normal’n?“. In solchen Momenten möchte ich dem auskunftspflichtigen Kunden, der die ohne Filter, die in Länge 100mm oder die ohne mit viel Nikotin erwerben will, oft gerne raten, mit „nein, ich will die Abnormalen!“ zu antworten, verkneife es mir dann aber doch, weil der feinsinnige Humor vieler Supermarktkassenbediener ihrem Langmut, den sie bei der Ausübung ihrer oft eintönigen und wohl auch beschwerlichen Tätigkeit besitzen müssen, möglicherweise nicht die Waage hält und sie oder auch die Konsumenten, für die ähnliches gelten könnte, mich vielleicht missdeuten würden.

Genauso, vielleicht sogar noch mehr, würde es mich schmerzen, falls Sie hier “normal” so verstehen würden, wie es viele Menschen als Erwiderung auf die Frage „beschreib Dich doch mal, wie bist Du denn so?“ gebrauchen: „Ach, eigentlich ganz normal“. Dies wäre mir einigermaßen unangenehm! Viel gerner würde ich hier “normal” in der Tradition des Guten, Wahren, Schönen verstanden wissen: des guten Geschmacks, der wahren Liebe, der schönen Blume.

normalIch schreibe jetzt einfach mal ganz unvermittelt: Ekelfleisch. Kein schönes Wort… aber jeder weiß, was damit gemeint ist. Es liegt also nahe, das Wort Ekelfleisch zunächst als gebräuchlich zu bezeichnen und anschließend zum Wort des Jahres zu krönen. Dabei ist Ekelfleisch überhaupt kein bisschen normal, sondern auch und vor allem eklig, sogar dann noch, wenn man weiß, dass man damit viel Geld verdienen kann. Ebensowenig wie es selbstverständlich ist, dass zum Zwecke der Erlangung von geheimdienstlichen Insiderinformationen vormals gesundes Menschenkörperfleisch durch Schläge, Tritte und dem schmerzhaften Anlegen von Elektroden an einst privatesten, nun aber in Staatseigentum umgewandelten Körperteilen in fernen, exotischen Ländern, die dem Otto Normalverbraucher häufig nicht einmal als Urlaubsziel bekannt sind, in körpereigenes Ekelfleisch umgewandelt wird.

normalÜblicherweise ist es ja doch nicht eben alltäglich, dass sich gleich 2 hochgestellte politische Persönlich- keiten weiblichen Geschlechts als Hauptakteurinnen eines Staats- besuches in Bewegtbildübertragung zu uns Normalos in unsere Wohnstuben gesellen. Vorgestern aber doch, denn da hatten wir die große Ehre, eine mächtige transatlantische Ausnahmeerscheinung von unserer Bundeskanzlerin begrüßen zu lassen. Die von ihren Fans gerne auch “Condi” geheißene US-Außenministerin, die von ihren nicht ganz so großen Bewunderern manchmal auch als “War Princess” tituliert wird, trat in einem schwarzen, lodenmantelähnlichen Überwurf aus einer blütenweißen Regierungsmaschine und ähnelte in dieser Tracht ein ganz klein wenig dem Charakter “Darth Vader” aus dem grellen Erwachsenenmärchen “Star Wars”. Dieser Eindruck wurde durch ihr geglättetes und gespraytes, tiefschwarzes Haar, das sie in der Art eines Helmes trug, noch verstärkt. Es ist vielleicht ganz und gar anormal, möglicherweise sogar pervers, bestimmt aber unverzeihlich, einen solchen Eindruck auch nur im Insgeheimtesten gehabt haben zu können. Da ich dieses weiss, scheuche ich das fiese zottelige Subjektivismusböckchen nun ganz schnell wieder von meinen Erkenntnisalmen und erteile ihm für alle Zeiten Platzverbot.

vogelDurch diese Maßnahme gewinne ich einerseits Zeit dafür, anzufügen, dass die zuständige Regierung Bush gemäß Aussage der Frau Rice alles tun will, um „Fehler zu korrigieren“, die USA aber an eine Änderung ihrer landläufigen Praxis im pauschalisierend “Anti-Terror-Kampf” genannten Konfliktkomplex nicht denken. Andererseits entsteht so Raum, darauf hinzuweisen, dass der Grad von Widerwärtigkeit, den eine Regierung erreicht haben muss, um Verschleppung und Folter für moralisch vertretbar und ethisch normativ zu halten, ein so fortgeschrittener ist, dass er als normal nicht wirklich bezeichnet werden kann.

Standard ist es heutzutage offenbar auch, dass Wirtschaftskonzerne, die monetär sehr gut aufgestellt sind, zehntausendfach Menschen in die Erwerbslosigkeit schicken und gleichzeitig ihre Topmanager mit gigantischen Gehältern und Erfolgsprämien verwöhnen. Schwamm drüber, der Markt macht uns alle gleich, nivelliert, normalisiert, egalisiert. So bleibt, meine sehr verehrten Damen und Herren, nur noch eine Frage zu klären: was soll mit der akustischen Umweltverschmutzung des Informationsstandes der Deutschesten aller Banken vor der Universitätsbibliothek in der Vorweihnachtszeit werden? Ist sowas überhaupt noch schön? Normal ist es jedenfalls nicht! Wer fegt später all die abgedudelten, erschreckend handelsüblichen Lieder vom frisch geplättelten Boden, die sich, vagen, bonbonfarbenen Träumen einer High-Potential-Karriere täuschend ähnlich, wie frierende, bleidotierte Flamingos im Morgendunst in den sowohl trüben als auch bitterkalten Dezemberhimmel der Landeshauptstadt erheben, nur um sogleich hartgefroren wieder ins Gewöhnliche hernieder zu klirren?

Ich bestimmt nicht. Keine Kapazitäten frei. Ich muss meine Lämmer füttern. Und zum Kolumnen schreiben habe ich regelmäßig keine Zeit.

Quelle Bilder: M. Hentze

1 Antwort zu “Ganz normale Flamingos”


  1. 1 Mörderpop

    Der Schreiber sollte seine sowieso nur eingeschränkt frei vorhandene Lebenszeit besser mit dem Ablassen seiner scheinbar lange aufgestauten Hormone verbringen anstatt das www und informationshungige Leser mit seinen schriftlichen Ergüssen zu behelligen!!

    Gruß

    der regelmäßige

    Anm.: dieser hübsche Kommentar stammt von Frl. Schiefer

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