Was früher Pflicht, ist heute Kür. In der Schule quälte man sich mit Latein, Englisch, Französisch oder Russisch. Heute sucht man ganz von selbst fremdsprachliches Neuland. Welche Zeit für solche kühne Eroberungszüge bietet sich da wohl eher an als die Studienzeit? Studenten haben im Allgemeinen – so hört man – viel Zeit. Dass viele der angehenden Akademiker diese Zeit auch sinnvoll nutzen, wissen die wenigsten. Während des Studiums erlernen viele Hochschüler nebenbei eine weitere Sprache. Die Gründe hierfür sind verschieden. Der eine müht sich mit Vokabeln und Grammatik für das Studium oder den Beruf ab, der andere wiederum lernt, weil er den kulturellen Austausch im Urlaubsland mit Einheimischen sucht. Schaut man den Studenten an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg über die Schulter, so sieht man nicht selten neben Seminararbeiten und kopierten Vorlesungstexten spanische oder tschechische Wörterbücher. Doch besuchen die Studenten hier nicht nur die herkömmlichen Sprachkurse, sondern gehen durchaus auch neue Wege.
So hat zum Beispiel der Computervisualist Marian Dörk die Möglichkeit genutzt, über das Sprachenzentrum der Uni einen „Tandem“-Partner zu finden. Mit einem solchen Kurs kann der Sprachinteressierte früher erworbene Kenntnisse auffrischen. Dies schien ihm die ideale Vorbereitung für sein letztes Jahr absolviertes Auslandssemester in Chile. Die Aussicht auf unkomplizierte Kommunikation mit den Menschen vor Ort motivierte ihn.
Beim «face-to-face Tandem» traf er sich dazu einmal wöchentlich mit einer mexikanischen Austauschstudentin. Idealer Weise sollte jedem der Partner bei einem Treffen die Hälfte der Zeit gehören. In den zwei Stunden ihres Treffens redeten sie über die Uni, Mexiko und den Alltag in Deutschland. Erst eine Stunde Spanisch und dann eine Stunde Deutsch. Warum er keinen Spanischkurs an einer Sprachschule belegte? Er hoffte, mit dem Tandem-Kurs eine natürliche, freiere und geselligere Atmosphäre des Lernens zu finden. Gut vorbereitet saß er dann ein Semester später im Flieger nach Chile und freute sich nun, endlich sein aufgefrischtes und verbessertes Spanisch anzuwenden.
Doch nicht jeder Sprach-Lern-Willige läuft an einem Aushang in der Uni vorbei und findet so auf Anhieb zu dieser idealen Lösung. Der Markt bombardiert den Suchenden mit den vielfältigsten Angeboten, vom Anfängerkurs über Einzel- oder Gruppenkurse bis hin zu Sprachreisen; es kommt einfach nur darauf an, was der Sprachinteressierte im Speziellen sucht. Die herkömmlichen Institutionen bekommen mehr und mehr Konkurrenz durch die neuen Medien: so ist es zum Beispiel möglich, mit Hilfe einer «Webcam» über den heimischen Computer den Lehrer aus Spanien zu sehen und so Unterricht zu gestalten. Oder man besucht eine Internetseite, auf welcher «Sprach-Lern-Podcasts» herunter geladen werden können. Einmal auf den MP3-Spieler aufgespielt, ist der Sprachunterricht auf diese Weise jeder Zeit und an jedem Ort möglich.
Neben seinem Tandem-Kurs versuchte Marian sein Spanisch auch durch ein solches Sprach-Lern-Podcast zu verbessern. Eher zufällig sei er auf diese Möglichkeit gestoßen, mobil Spanisch zu hören und auch anzuwenden; er nutze den Podcast (über das Internet abonnierbare Sprach- und Tondateien) zur Sprachpflege. Das System der einzelnen Lektionen ist nach dem Prinzip der alten Sprach-Lern-Kassetten aufgebaut. Zweisprachig wird der Lernende von einem Lehrer durch die Lektionen begleitet. Anfangs werden die Arbeitsanweisungen noch in Englisch gegeben. Mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad werden die Anweisungen dann nur noch in der Zielsprache formuliert. Für jede Lektion steht dabei eine ausführliche Vokabel- und Grammatikliste zum Download zur Verfügung.
Der Fremdsprachenlernwillige sollte sich am Anfang jedoch immer die Frage nach seinem Lernstand stellen. Beginnt er bei Null an, sollte er von einem Tandem-Kurs oder einem Sprach-Lern-Podcast Abstand nehmen. Hier wäre der in Sprachschulen angebotene Klassenunterricht ideal, denn Sprach-Lern-Podcast kann die Grundlagen der Grammatik nicht vermitteln. Der klassische Fremdsprachkurs in einer Sprachschule sollte dann besucht werden, wenn Sprachkompetenz im Lesen und Schreiben erlernen werden sollen. eine Sprache kann jedoch nur durch aktive Anwendung gelernt werden und ein Tandem-Kurs kann hier wirklich hilfreich sein. Also: “Rauf aufs Tandem und losgelernt!”


Gutgeschriebener Artkel und ein prima Überblick über das Thema! Vll wären zusätzlich noch einige Links nützlich als Literaturhinweise, z.B. zu Seiten, auf denen es Postcsts gibt oder zur Tandem-Vermittlungsseite des Sprachzentrums.
Verbesserungsvorschlag: Du benutzst 2 mal “man”… das würde ich durch eine andere Formulierung ersetzen, z.B. durch “die Grundlagen der Grammatik bekommt der Lernende so jedoch nicht vermittelt”.