Hatte ich als Kind auch schon Probleme?/ Ein Fragment

Letzte Woche irgendwann saß ich mit einem guten Freund im urgemütlichen Layla, trank lecker Kölsch und diskutierte über Schäuble und den gläsernen Bürger, sprach über die kommenden Fußballduelle zwischen dem 1. FC Köln und dem FCM in der 2. Liga und über noch offene Baustellen in meinem Leben und große und kleine Probleme des Alltags.
Irgendwann fragte ich den Freund dann, ob man als Kind auch schon Probleme hatte. Denn das Leben schien mir damals – wenn ich jetzt so zurückblicke – doch recht einfach gestrickt gewesen zu sein.

Als kleiner Bub hatte ich noch wenig Ahnung von der Welt, das liebe Geld schien irgendwie immer da zu sein, wenn ich mir etwas Neues zum Spielen wünschte, das Essen auf dem Tisch wurde nie weniger und Zeit zum Spielen schien unbegrenzt da zu sein. Alt waren immer die anderen. Das man auch mal so einer werden sollte, schien eine Ewigkeit entfernt. Freunde kamen und gingen. Blaue Flecken und aufgeschürfte Knie gehörten zum täglichen Wahnsinn. Um nichts musste ich mich wirklich kümmern. Früh morgens wurde es hell als die Sonne auf ging und am Abend wurde es dunkel als sie wieder unter ging. Das ich das wusste reichte völlig aus, um durch den Tag zu kommen. Ich stand auf, putze mir die Zähne, wusste schon im Bad, dass der Frühstückstisch von meiner Mutter gedeckt wurde, freute mich meine Schwester nach neun Stunden Schlaf wieder ärgern zu können und verschwand bis zum Mittag mit den Jungs im Großstadtdschungel unserer kleinen Einfamilienhaussiedlung. Wenn die Mutter zum Essen rief, musste ich antanzen, wenn ich aufgegessen hatte, konnte ich wieder abhauen und tun, wozu ich gerade Lust hatte. Wenn der Vater von der Arbeit nach Hause kam, war klar, dass es bald zum dritten Mal am Tag Essen geben sollte. Noch kurz vor Mutters Augen im Bad den Dreck des Tages aus dem Mund geputzt und schon war es dunkel. Nachdem das Licht im Zimmer ausging, war klar, neun Stunden Schlaf und alles geht wieder von vorne los.
Ich würde behaupten, wirkliche Probleme hatte ich damals nicht. Zwar machte ich mir im Bett – nehmen wir das mal an – wohl schon Gedanken, was ich denn alles für tolle Abenteuer am nächsten Tag erleben werde, wie ich meine Mutter überreden kann, mir noch mal 5 Mark zu geben, damit ich mir ne Wundertüte voll mit Gummibärchen und saurem Weingummi kaufen kann, Probleme haben, würde ich das aber nicht nennen.
Heute – mit der ganzen Verantwortung für sich selbst und en Partner, die Freunde und seine Mitmenschen – sieht das ganze Probleme-Problem schon ganz anders aus. Ging am Tag mal was zu Bruch, war das damals ein Problem meiner Eltern. Verbockt man heute etwas, muss man selbst dafür die Konsequenten tragen.

… to be continued

Eine Antwort hinterlassen