
„Schatz, was möchtest du am Wochenende für einen Kuchen essen?“
Für gewöhnlich kommt diese Frage jeden Freitag. Frau fragt Mann immer freitags morgens nach dem gemeinsamen Frühstück in der Küche, was er denn Leckeres übers Wochenende vernaschen will. Einen Anlass muss es dafür nicht geben. Wenn Mann nicht schon selbst den Vorschlag seiner Kaffeebeilage geäußert hat, kann er sich sicher sein, dass er gefragt wird. Die Antwort lässt dann meistens nicht lange auf sich warten. Und sollte Mann mal nichts einfallen, wird ihm ein Kuchen-Back-Buch mit lauter bunten Abbildungen unter die Nase gehalten. In diesem sind dann aber fast immer schon ein Paar Rezepte für ihn mit Zettelchen markiert. Die Auswahl soll ja nicht Stunden dauern und am Ende soll auf keinen Fall die Standartantwort „Rührkuchen wäre mir am Liebsten“ aus seinem Mund kommen. Ist die Entscheidung gefallen, trennen sich die Wege der beiden.
Frau bleibt in der Küche zurück. Das ausgewählte Kuchenrezept muss studiert werden. Akribisch durchforstet Frau nun ihre Vorratsschränke. In den meisten Fällen ist die eine oder andere Zutat dann doch immer zu besorgen. Erfahrungsgemäß weiß Frau, dass sie Hefe und Eier auf den Einkaufszettel als Notiz notiert. Hefe unterstreicht sie. „Zur Erinnerung. Sonst wird das nichts mit dem Kuchen zum Kaffee“, gibt sie dann immer als Antwort. Die Frage ihres Mannes, weswegen sie denn nur die Hefe unterstrichen habe, kommt jede Woche.
Während die Frau also in der Küche nach den Zutaten sucht, geht der Mann aufs Klo. „Platz schaffen“, würde er sagen, wenn man ihn fragen würde. Schließlich schmeckt frischer Kuchen zwei Mal so gut. Da könnten es dann auch gerne schon mal zwei große Stückchen Kuchen mit Sahne werden. Und Reste hinterlassen will Mann ja schließlich auch nicht. Zu sehr fürchte er unbequeme Fragen. „Schmeckt dir der Kuchen heute nicht? Ist er angebrannt? Zu trocken? Oder etwa nicht süß genug?“ Dem kann Mann aus dem Weg gehen. Auf seinem Weg zum besagten Örtchen kommt er ins grübeln. Er kann sich nicht erinnern, welchen Kuchen er sich vor zwei Minuten ausgesucht hatte. Nachfragen wäre aber auch nicht gut. Wieder würde die Frau Fragen in den Raum werfen. Also lieber mal ne Sekunde nachdenken. Mehl und Eier werden sicherlich in jeden Kuchen gehören, und Hefe selbstverständlich auch, fördert eine erste Kuchenanalyse zu Tage. Und damit der Kuchen süß und lecker schmeckt, wird die Frau ganz gewiss auch Zucker in die Schüssel gegeben haben. Irgendwie müssen sich die Zutaten aber auch miteinander verbinden. Milch oder Wasser. Eine der beiden Flüssigkeiten würde bei seinem Kuchen den Weg in die Schüssel finden. Aber ob das schon für einen Kuchen reichen wird? Mehr als einen Teig bekommt man mit den wenigen Zutaten sicherlich nicht gebacken. Und dann noch das richtige Maß für alle Zutaten finden. Zum Glück muss er den ofenwarmen Kuchen nur essen. Sahne schlagen kann er.
Die Frau weiß um die Gedanken ihres Mannes. Woher sie das weiß? Sie wird’s schon irgendwoher wissen. Ist ja schließlich ihr Mann. Also ruft sie ihm liebevoll hinterher, ob er wirklich einen solchen Kuchen haben wolle. Sie könne auch einen anderen backen. Das wäre für sie überhaupt kein Problem.
Nun weiß auch der Mann wieder, welchen Kuchen er sich ausgesucht hatte. „Und Sahne würde gut dazu passen?“, ruft er in die Küche zurück. Dass die Antwort mit einem Ja erwidert wird, ist eigentlich nicht mehr von Belang. Sahne hätte es so oder so gegeben.


wann spielt denn deine beschauliche kaffeeklatschgeschichte?! klingt mir wie aus einem werbefilm aus den 60er jahren. was wohl das weibliche, emanzipierte geschlecht dazu sagt… ;-:
Es (das weibliche emanzipierte Geschlecht) sagt: Brot für die Welt, Kuchen für mich.;-))…was wohl Marie-Antoinette dazu sagen würde?!
Mich lässt etwas nicht in Ruhe… Warum ist das Innere des Kuchens pink?
tja?!? das ist ne gute frage: Warum ist das Innere des Kuchens pink? Mal sehen. Also. Vielleicht, weil
a) der Bäcker in der Bäckerei – wo ich den Kuchen gegen Bares erwarb – ne Frau war und auf pink stand,
b) das bei Papagei-Kuchen – und das soll einer sein – nun mal so ist
c) rosa als Farbe vielleicht in der Farben-Psychologie die Eigenschaft hat, besonders kaufermunternd auf den Konsumenten zu wirken
d was weiß ich denn:
Auf jeden Fall hat der Kuchen geschmeckt. Und nur das zählt am Ende.
Nun ich backen die kuchen!
(ich ist nein deustch, ich ist amerikan. Nein gut deustch spreche)