Die Konferenz über Elektromagnetismus auf dem Campus der Magdeburger Uni
Es ist Prüfungszeit: alle sind schwer beschäftigt, kümmern sich vorrangig um die bevorstehenden Klausuren und gehen in die universitäre Bibliothek, um dort das vetrgangene Semester noch einmal Revue passieren zu lassen. Dass sich im Foyer eben dieser Unibibliothek Stände von Firmen ganz besonderen Kalibers befinden, wird größtenteils nicht wahrgenommen. Auch die hiesige Antikriegsgruppe wird sich über die Qualität der Konferenz erst bewusst, als die Konferenz schon im vollem Gange ist.
Die EUROEM ist eine Konferenzreihe, die sich dem Elektromagnetismus, einem Teilgebiet der Physik, widmet. Die Konferenz wurde 1978 im Verbund mit der amerikanischen Variante, AMEREM, von verschiedenen NATO-Staaten ins Leben gerufen, um den Einsatz von und den Schutz vor elektromagnetischen Feldern im militärischen Bereich zu diskutieren. Heute, so die Pressesprecherin der Uni, Waltraud Riess, gehe es eher um die Nutzung elektrischer und elektronischer Geräte im zivilen Alltag. Besondere Aufmerksamkeit wird auch den neuen Entwicklungen in der humanitären Minensuche zugeteilt.
Parallel zur Konferenz EUROEM 2004 findet auf dem Campus eine Messe statt. Nach Angaben der Magdeburger Uni in einer Presseinfo haben sich 30 Firmen aus dem In- und Ausland präsentiert. „Damit wird auch der wirtschaftliche Aspekt dieser Konferenz hervorgehoben. Neue Produkte werden angeboten, aber auch innovative Ideen zur Produktverbesserung und Produkterweiterung werden aufgenommen” (Waltraud Riess). Klar, dass wirtschaftliche Aspekte in Sachsen-Anhalt in diesen Zeiten im Vordergrund stehen. Aus wirtschaftlichen Gründen soll das Land schließlich auch eine Vorreiterrolle bei gentechnischverbesserter Landwirtschaft darstellen.
Bei näherem Hinsehen entpuppen sich einige der „innovativen Ideen zur Produktverbesserung” als eindeutige Kriegswerkzeuge. Und unter den 30 Firmen aus dem In- und Ausland befinden sich bekannte Vertreter der Rüstungsindustrie. Zum einen zeigt sich die Military Aircraft Division des zweitgrößten europäischen Entwicklers und Produzenten von Rüstungs- und Sicherheitstechnologie, der EADS. Dann war die Diehl Munitionssysteme GmbH vertreten, die sich als Anbieterin „von Munitionssystemen, Artillerie Raketensystemen, Schutzsystemen, Subsystemen, [...] für zukunftsorientierte Märkte im Verteidigungsbereich” versteht. Rheinmetall Defence Electronics GmbH gibt sich als eine der „führenden Adressen für wehrtechnische Elektronik” aus.
Kein Wunder, dass diese Konferenz nicht nur zivilen Charakter hat. Ein Schirmherr ist zum Beispiel der Vizepräsident des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) Schober. Hierbei handelt es sich um den Einkäufer der Bundeswehr. Auf der Homepage des BWB wird erklärt: „Beschafft werden Panzer, Flugzeuge und Schiffe. Aber auch Einsatzverpflegung, Feldlager, Handfeuerwaffen, Flugkörper, [...] und vieles mehr stehen auf der Einkaufsliste des Amtes.” Weiterhin am Gelingen der Konferenz ist das ‘’European Office of Aerospace Research and Development of the USAF”. USAF steht hier für die US Air Force. Ein anderer Unterstützer ist das amerikanische Energieministerium (United States Department of Energy), dessen Verantwortungsbereich auch das Nuklearwaffenprogramm umschließt.
Dass das alles schon recht ironisch ist, in Magdeburg die Rüstungsindustrie mit den Einkäufern zusammen zu bringen, steht außer Frage. Aber eine weitere Dimension dieses Ereignisses lässt Herr Pollmann, der Rektor der Otto-von-Guericke-Universität, in seinem Begrüßungstext an die internationalen Wissenschaftler durchblicken. So wird die Universität sich in Zukunft auf wettbewerbsfähige Forschungsfelder konzentrieren und nach bestimmten Umstrukturierungen mehr Augenmerk auf die Ingenieurwissenschaften setzen. Die Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften sind damit wohl nicht gemeint. Auch nicht der Studiengang Friedens- und Konfliktforschung. Darüber hinaus bedankt er sich aber für die „effiziente und enge Zusammenarbeit” mit dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung. Na, wenn das keine Perspektive ist!
Ist es eigentlich kartellrechtlich erlaubt, Antipersonenminen und gleichzeitig Geräte für die humanitär Minensuche zu vertreiben?
Mehr davon: http://www.euroem.org/



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