Das Wecksignal ertönt. Dauer und Art des Signals sind, innerhalb sinnvoll erscheinender Grenzen, persönlicher Neigung entsprechend vorwählbar. Wir erwachen und beginnen unseren Tagesablauf.

Die personale Bewegungsplanung berücksichtigt Termine, Verpflichtungen und körperliche sowie mentale Bedürfnisse. Auftretende Missverhältnisse zwischen Vorgabe und Ist werden automatisch erfasst und dienen als Grundlage für die selbsttätige Weiterentwicklung des neuronalen Regelungsnetzes, das dadurch auf Interferenzen zwischen den Individuen reagieren kann, Leerlaufzeiten und Unwägbarkeiten vermeidet.
Das Verkehrsleitsystem ermöglicht ein Erreichen der Einsatzstelle in kürzest möglicher Zeit unter Verbrauch der geringest nötigen Energiemenge zur Bewältigung dieser Transaktion. Der globale Transportverbund garantiert einerseits dem Stand der Technik entsprechende maximale Sicherheits- und Pünktlichkeitsstandards; andererseits wird beim Unterschreiten der aktuell validen Kosten-Nutzen-Schwelle, die einen dem Allgemeinwesen gegenüber nicht zu verantwortenden Produktivitätsabfall bedeutet, ein höherer Gefährdungsgrad für ökonomisch weniger bedeutsame Personen bei der Routenplanung toleriert. Einige wenige weitere Faktoren in diesen Abwägungen stellen dar:
-) Komfort des Fahrgastes,
-) mentale Stimulierung durch turnusgemäß veränderte Streckenführung,
-) Abnutzungsverhalten und Wartungsintervall des Transportmittels.
Bestrebungen der Vergangenheit, Arbeitsplätze direkt in die Unterbringungseinrichtungen der Bürger zu integrieren, haben sich im Nachhinein, unter Berücksichtigung aller relevanten Faktoren, in vielen Ausprägungen als kontraproduktiv erwiesen und und werden nur noch in Spezialfällen praktiziert.
Auf einen Tastendruck hin klingeln hunderte von Televideons im ganzen Land – noch im ersten Läuten bestätigen Legionen von Sachbearbeitern gleichzeitig den Aufbau der Fernkommuni- kationsverbindung und nehmen Aufträge, Weisungen, Befehle entgegen. Synchron zum Pochen der Weltzeituhr werden Maßnahmen entwickelt, Alternativen erwogen und verworfen, schließlich Entscheidungen gefällt.
Putzkolonnen in neutral-blauen Hemdschürzen entfernen Gummisohlenabrieb von den Korridoren und Unrat aus bereitgestellten Abfallsammelbehältnissen, wiewohl dieser Begriff heute etwas irreführend anmutet. Präziser formulieren wir daher: Putzkolonnen führen den Restrat dem Recycling zu.
Haushandwerker beseitigen die vielen kleinen, alltäglichen Verschleißerscheinungen der durchweg öffentlich zugänglichen Gebäude und beziehen einzelne Ersatzteile der zum Betrieb notwendigen Installationen aus automatisierten Hochregallagern.
Lageristen legen letzte Hand an vorkomissionierte Warensendungen und versehen die in verschiedenen Formaten durchstandardisierten Versandtupperinen mit dem Resultat ihrer Endkontrolle.
Führungskräfte treffen ein, nehmen zur Kenntnis, schütteln Hände, fordern und fördern. Der Output ihrer Untergebenen dient als Grundlage weit reichender Strategien, die freilich zentral verifiziert und optimiert werden. Das zuständige System übernimmt zusätzlich die rechnerische Einschätzung der Kreativität und Effizienz dieses Personenkreises, die in unmittelbarer Abhängigkeit von Machtposition und Verfügungsspielraum des betreffenden Befehlsgewaltigen in jeweils kürzeren oder längeren Zeiträumen durchgeführt wird.
Auch hierbei erweist sich die zweite Parallel-Hybridrechnergeneration mit neu konzipiertem Multilayer-Bussystem den herkömmlichen Datenverarbeitungsanlagen speziell in Randbereichen der Berechnung den reinen Lichtleiterschaltungen als in höchstem Maße überlegen, da nunmehr durch die Fuzzyreadiness der integrierten Bioneuronen-Schaltkreise die Fähigkeiten der zwar alt bekannten, bisher jedoch nicht im Sättigungsbereich betriebenen Optoelemente voll zum Tragen kommen. Durch diese Fortschritte erscheint zudem erstmals der Einsatz rein dynamisch-biologischer Speicherkomponenten volkswirtschaftlich vertretbar.
Roboterarme montieren PlasmaBooks, RailCabs, Raketentriebwerke. Zulieferbetriebe entstehen und werden bei abnehmender Produktivität zunächst umstrukturiert, bei anhaltend negativer Bilanz aufgelöst oder erfolgreicheren Firmenkonglomeraten angegliedert, die Belegschaft neuen Aufgaben zugeführt.
Unter Tage fahren unablässig Bergleute ein und aus. Zur Gewinnung von Bodenschätzen zerschlagen sie gewaltige Steinblöcke mit Vorschlaghämmern und reiner Körperkraft, die natürlich durch ein Exoskelett multipliziert wird. Konsequent fortentwickelte magneto-statische Stützvorrichtungen haben dieser in vergangenen Tagen gefahrvollen Tätigkeit den Schrecken genommen, sie de facto in eine der letzten Bewährungsproben für unausgelastete Werktätige gewandelt.
Hufe scharren. Nüstern beben und atmen gierig das die Stollen durchziehende Methan-Luft-Gemisch. Genomvariierte Hochleistungs-Grubenpferde transportieren die hochwillkommene ‘Last’ durch kilometerlange Gänge dem Tageslicht entgegen.
Logistikzentren gleichen Bedarf und Produktion aufeinander ab und ermöglichen den reibungslosen Gütertransport von Ort A.0 nach Ort A.n über Zwischenstationen (A.1, A.2, …, A.n-1) mit n echt positiv, ganzzahlig endlich.
In Rohrleitungen fließen Chemikalien, Grundstoffe, Flüssigkeiten verschiedenster Art und Konsistenz ihrer Destination entgegen. Im Zuge der Entwicklung höchstbelastbarer Stahl-Kohlenstoff-Proteinverbundstoffe und durch den Einsatz fortschrittlicher Keramik-Hanf-Dichtungen konnte die Fließgeschwindigkeit in der letzten Dekade um den Faktor 2,7 gesteigert werden, was nicht zuletzt dem gestiegenen Bedarf an Flüssigkunststoffen und Klärschlämmen Rechnung trägt. Durch die erhöhte Belastbarkeit dieser inzwischen viele hunderttausend Kilometer langen Tubus-Netzwerke, die durch den Einsatz hypraprobater Nanopartikel-Beschichtungen weiter fortentwickelt wird, rücken nunmehr Anwendungen im Bereich des Feststofftransportes in erreichbare Nähe, werden tatsächlich im Labormaßstab bereits heute praktiziert.
Doch das ist Zukunftsmusik, wenngleich wir diese Melodie sicher noch zu Lebzeiten vernehmen werden. Präsente Vorteile, die uns allen bereits heute zugute kommen, sind etwa die stark zurück genommenen Belastungen der Weltwirtschaft durch gesunkene Flüssiggas- und Sauerstoffpreise, von Substanzen also, die in früheren Jahren unter verhältnismäßig großem Aufwand per Magnetschwebebahn vom Produktionsort zur Konsumenten- Gemeinschaft transportiert werden mussten.
Ein Glasgebirge sprießt am Horizont und rückt schnell näher. Wir entsteigen dem Trans-Eurasien-Expressluftschiff TEEL und sind zunächst von der Vielfalt der hier angebauten Nutzpflanzen überwältigt, entscheiden uns dann jedoch für eine Erkundung der Erdbeerfelder. Durch den groß angelegten Einsatz von Penicillonen und Antigenen wurde auf diesem Gebiet ein allein im letzten Jahre durchschnittlich 12prozentiger Zuwachs der Produktion verzeichnet. Ähnliche Erfolge vermelden Karoden-, Bananen-, Rohhanf- und Maniokplantagen, wenngleich die Tomatenernte im aktuellen Semiquartal durch explosionsartig vermehrtes Auftreten der sog. ‘Tomatenfliege’ erheblichen, womöglich irreparablen Schaden genommen hat. Uns wird jedoch versichert, dass sich ein Team international renommierter Wissenschaftler dieses Problems bereits angenommen habe, eine Lösung unmittelbar bevor stünde.
Rhythmisches Stampfen schwillt betörend an. In hochseeischen Fabrikationshallen arbeiten beeindruckend leistungsfähige 20 MN-Pressen und formen aus Marschreihen graufarbener Aluminiumbarren und dem auf Fließbändern aufgefädelten Inhalt tropfender Fischernetze das Äquivalent zum Kalorienbedarf einer wachsenden Erdbevölkerung.
Lieder erklingen. Kindergärtnerinnen führen ihre Schützlinge in Zweierreihen durch gigantische zoologische Gärten, in denen von nahezu jeder zeitgenössischen, dem Menschen nützlichen oder amüsanten Urlebensform eine Population verfügbar gemacht wurde. In speziellen Brutanlagen werden Pinguine und Leguane en gros zur Belieferung dieser Volksbildungsstätten produziert, während in anderen Anstalten Erbmaterial derjenigen greifbaren Arten in tiefgekühltem Stickstoff für eine potentiell spätere Verwendung archiviert wurde, deren Nutzwert bisher nicht fest steht.
Wir schwenken südwärts. Hier stemmen sich weitflächig dimensionierte Parabolspiegel in der sirrenden Hitze der großen Wüstengebiete unserer Zentralsonne entgegen und transformieren den fokussierten Photonenstrom in ein potentes Werkzeug menschlicher Schaffenskraft. Armdicke Energiestrahlen aus purem Licht zerschneiden die Räume zwischen den Kontinenten. Nahezu verlustfrei erreichen sie mit Verzögerungen im Millisekundenbereich ihr Ziel und ermöglichen das planmäßig fortschreitende Abschmelzen der Polarkappen zum Nutzen der Süßwasser- und Festlandgewinnung.
Ein Kometenschweif grüßt vom sternklaren Himmel. Wir blicken aufwärts. Satelliten und Sonden strecken tastend ihre Fühler in den Kosmos, rastern und registrieren, bestrahlen und senden. Einem Erdbegleiter kommt dabei, seinen wenig spektakulären technischen Daten zum Trotze, besondere Bedeutung zu, da er speziell für die Überwachung der ersten Forschungsreise eines Angehörigen der Weltgemeinschaft zur Andromeda konzipiert und im Orbit installiert wurde.
Verschlafen kläffende Hunde steckten die Schnauzen unter den Torflügeln durch; ein Kirchenwärter schlug gemächlich die Stunde, und nach jedem Schlag wartete er, bis der Ton in der blauen Luft zergangen war wie eine Träne in einer großen Schale mit kaltem Wasser.
In der Ferne verklingt der Ruf eines einsamen Blauwals und wiegt den letzten Mohikaner in einen unruhigen Schlaf, dieweil das in einer sterilen Aufbewahrungslösung treibende Gehirn des Raumreisenden auf seinem Wege durch die Milchstraße bei jedem Klingeln eines Mikrowellenofens, das auf der fernen Erde vom Beginn einer nahrhaften Mahlzeit kündet, aus einem traumlosen Nicht-Wach-Zustand schreckt.
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Das Zitat stammt aus dem Ausriss eines Buches eines mir namentlich nicht gegenwärtigen russischen Schreibnochwaskijs.
Image sources: do-it-yourself, Himmel über Autobahn in den Morgenstunden des 15.12.2006 n.u.Z. (nachbearbeitet)

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