Archiv für die Kategorie 'Bürger, Bosse und Beamte'

Kein Selbstmord am Samstag

Städtische Gemeinschaftsgärten für eine bessere Welt

Community Garden in Cambridge, Massachusetts

Mit dem Song Samstag ist Selbstmord besang die Hamburger Band Tocotronic einst die Trostlosigkeit des Wochenendes, das mit Gemütlichkeit, Gartenarbeit und zu viel Freizeit noch die ganze Menschheit zugrunde richten würde. Tocotronics Ablehnung einer ritualisierten Freizeitgestaltung im übergemütlichen Garten mag harsch ausfallen, aber sie steht für die verbreitete Auffassung, dass Gartenbau langweilig, rückständig und bieder sei. Diese Vorstellung ist in Deutschland sicherlich geprägt durch die Mehrzahl an Gärten, die eingezäunt in Einfamilienhaussiedlungen und Gartensparten für den Rückzug in die private Monotonie stehen.
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Wall Street $tuka

Let us etwas vormachen.
Let’s uns etwas vormachen!

Let uns ourself vorkommen lassen
als wären wir die Letzten, Einzigen, Wahren,
und morgen wär erst übermorgen.

Let’s uns etwas vormachen!
Let us einen Flakscheinwerfer kaufen
der uns in mildem Licht erstrahlen lässt.
Der um seiner selbst gewaehltigen Willkür und Leuchtkraft willen
Unbescheidenheit zur Zierde erklärt!
Unbescheidenheit zur Zierde erklärt
und New York durch ourself ersetzt!

Let’s us erscheinen lassen, wir wären wir,
wären wir?
wären wir selbst aus Unbescheidenheit & zweifelhafter Neigung.


let us etwas vormachen graphischer Text

‘Wir bezahlen eure Krise nicht’

Die Verteilung des Nettovermögens auf die Bevölkerung in Deutschland zeigt der Wochenbericht 45/2007 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung:

Die reichsten 1% besitzen über 20% des Vermögens.
Die reichsten 10% besitzen etwa 60% des Vermögens.
Die ärmsten 10% besitzen – 1,6% des Vermögens, also Schulden.

Die reicheren 50% besitzen 99,9% des Vermögens.
Die ärmeren 50% besitzen 0,1% des Vermögens.

Und finanzielles Vermögen bedeutet MACHT.

Eine Analyse des größten Bankraubs aller Zeiten liefert René Zeyer im Manager Magazin:

Es war ein Komplott von ein paar zufällig an den Schalthebeln Sitzenden, die sich maßlos bereicherten, gegen den Rest der Menschheit – wo jeder sein Scherflein beigetragen hat und noch beitragen wird zu diesem neuen Reichtum der wenigen Räuber.

Wenn man die allein im Hypothekarsektor angefallenen Kommissionen, Fees, Spesen, Kickbacks und Boni auf konservativ geschätzte zehn Prozent der in den letzten drei Jahren im “Financial Engineering” umgesetzten 10.000 Milliarden Dollar ansetzt, dann handelt es sich nur hier schon um einen Diebstahl von 1000 Milliarden Dollar. Das gibt dem Wort Banküberfall eine ganz neue Bedeutung, dagegen verblassen die gesammelten Raubzüge der Geschichte der Menschheit.

Ebenfalls im Manager Magazin werden von Henrik Müller einige mögliche Szenarien für die kommenden Jahre beschrieben. Ein sehr wahrscheinliches:

Kalte Sanierung. Seriös, aber schmerzhaft. Der Staat erhöht seine Einnahmen, indem er den Bürgern mehr Geld abknöpft. Die Steuerquoten steigen. Zugleich werden die Ausgaben zurückgefahren.

Wolf WetzelDen deutlichen Standpunkt “Wir bezahlen eure Krise nicht” vertritt allerdings neben Ver.di auch Wolf Wetzel, der am 06.02. in der Linkskurve gelesen und diskutiert hat. Wobei “wir” genau diejenigen sind, die dieses Fiasko nicht zu verantworten haben und uns nicht auf unseren Jachten in der Südsee werden trösten können.
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Guerilla Gardening kommt nach Magdeburg

pbo31 von Flickr

Jedenfalls wünschen sich das die Gartenguerrilleros Gregor Schneider (Stadtplaner) und Oliver Schilling (Architekt) von Raum391 [1]. Um diesem Anliegen weiter Anschub zu verleihen, gab es jüngst im ÖZIM einen Vortrag, den ich verpasst habe, und der Blog zur Bewegung ist auch schon eingerichtet [2]. Weiterlesen von ‘Guerilla Gardening kommt nach Magdeburg’

Die Dinge, die uns besitzen

Foto von HolyHolySnappers (Flickr)

Wer einmal umgezogen ist, kennt das Phänomen. Es hat sich mit der Zeit einiges zusammengetragen. In Schubläden, Schränken und Kisten. Auf Ablage, Tisch und Fensterbrett. Es sind Dinge, die einst nützlich, interessant oder bedeutend waren, aber mit der Zeit wurde aus der Ansammlung von Unikaten eine Dinghalde. Wie sie da so liegen, sich in den Vierwänden zusammenrotten, verlieren die Dinge langsam aber sicher die frühere Wertschätzung und werden zu bedrückendem Ballast.
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BürgerBosse&Beamte


Der Bürger wie er leibt und lebt,
ist glücklich, wenn es vorwärts geht.
Den Fußball mag der Bürger sehr
Und Pommes Fritz – meist zum Verzehr.
Die Ziehung seiner Lottozahlen
Tangier’n ihn mehr als Landtachswahlen.
Und wenn das Wetter scheen is’,
denn jeht er jern spazier’n,
mit’s Muttchen anne Seite,
da musser och nich frier’n.
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Was tun, wenn das Atomkraftwerk brennt und der Kraftwerksleitstand vor lauter Rauchgasvernebelung nur noch mit Gasmaske bedienbar ist? Nein, nicht das, was das Atomgesetz (AtG) vorschreibt: den Störfall in seiner gesamten Tragweite den Aufsichtsbehörden melden, damit in dem Fall, dass die Situation vollends entgleist, die Bevölkerung gewarnt & evakuiert werden kann. Sondern: vertuschen, verharmlosen, verschweigen; solange, bis der Energiegipfel des 03.07.2007 beendet ist und die Renaissance der Atomenergie in Deutschland als beschlossenes Ergebnis der Beratungen präsentiert werden kann. Nebenher mauern, bis der Staatsanwalt kommt, um per Durchsuchungsbeschluss das Betriebspersonal zu befragen, was der Konzern Vattenfall zu verhindern versuchte.

Was tun, wenn das Atomkraftwerk brennt und der Kragen platzt? Zum Beispiel den Stromanbieter wechseln, also denjenigen, der mir bisher jeden Monat den Kaufpreis für elektrische Energie vom Konto abbuchte. Als ehemaliger Kunde der SWM Magdeburg, die ihren Strom von Vattenfall Europe bezieht, mein Geld also bisher dorthin weiterleitete, hat nun auch mein Haushalt den Providerwechsel auf Greenpeace Energy vollzogen. Lecker Strom nur aus erneuerbaren Energiequellen! Der Strommix der SWM hingegen setzt sich im Privatkundentarif zusammen aus: Fossil 54,86%, Nuklear 32,65%, Erneuerbar 12,49%.

Zusammen mit der Preiserhöhung der SWM zum 1. September entsteht ein nahezu identischer Preis (beim Vergleichen beachten: Preisangaben bei Greenpeace Energy erfolgen incl. Mwst.).

Übrigens: man erzählt sich von Energieverbrauchermund zu Stromkundenohr, auch der Computer liefe damit flotter, griffiger, einfach… [im Hintergrund hüpfen adrette Windräder über schnieke Wasserkraftwerke]… hipper! ;)
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Edit 01/2008: auch andere Stromanbieter haben diesen Bedarf für sich entdeckt. Siehe dazu den Artikel Stromanbieter verkaufen Atomstrom als Ökostrom.

Thalia, Klappe die II. – Sommerschlussverkauf beim Branchentycoon

Ein bekanntes Sprichwort sagt über Vorurteile, dass diese schwerer zu zertrümmern seien als Atome. Nach einem neuerlichen Rundumblick durch die THALIA-Buchhandlung kann ich dies nur unterstreichen. Man kann mir zwar vieles nachsagen, aber an mangelnder Konsequenz scheine ich nicht zu leiden. Mit dem anfänglichen Eindruck, dass es ja schon nicht mehr so schlimm sein könne, betrat ich das Etablissement. Ich hatte mich aufgemacht, ein wenig am Abbau meiner Engstirnigkeit zu arbeiten. Schlendern, stehen bleiben, suchen, ärgern – so in etwa könnte man die Steigerung meiner Gefühle beim Rundgang durch den Laden beschreiben. Weiterlesen von ‘Thalia, Klappe die II. – Sommerschlussverkauf beim Branchentycoon’

Die Geisteswissenschaften. 2. Klasse-Studium

Dem Studium der Geisteswissenschaften wird an der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg ein sehr geringer Stellenwert beigemessen. Wirtschaftstudenten und Maschinenbauer, Informatiker oder Mediziner belächeln Fächer wie die Germanistik oder die Politikwissenschaft. Stempeln sie gar als nicht zwingend notwenig ab. Die Uni würde auch ohne diesen Zweig der Wissenschaft prima funktionieren. Noch mehr Geld würde so für andere, „wichtige“ Studienfächer da sein und nicht sinnlos verschwendet werden. Geht man über den Campus der Uni, so sind Sätze wie die eben aufgeführten keine Seltenheit. Weiterlesen von ‘Die Geisteswissenschaften. 2. Klasse-Studium’