Slow Food


Genießen mit Verstand

Im Vorwort zum Buch Slow Food von Carlo Petrini steht eigentlich schon alles geschrieben, was man über die Idee Slow Food wissen sollte. Der Bewegung liegt die Überlegung zu Grunde,

dass das Essen ein wesentlicher Bestandteil des Lebens ist und das die Lebensqualität unweigerlich mit einer gesunden, guten und abwechslungsreichen Ernährung zusammenhängt. Im Gegensatz dazu steht Fast Food für Mahlzeiten, die zum schnellen Verzehr gedacht sind und deren einzige Vorteile darin liegen, dass man sofort weiß, was man isst (als Folge der Standardisierung) [doch weiß man das denn wirklich?] und dass die Mahlzeiten günstig sind [...].

Schon das Logo verrät viel. Die Schnecke steht symbolisch für die Langsamkeit, mit der man das Verspeisen von Mahlzeiten angehen soll. Was Slow Food erreichen möchte, ist der Ernährung die ihr zustehende Bedeutung beizumessen, wobei der Konsument und Verbraucher der Produkte die Geschmacksnuancen schätzen lernen soll. Wer sich Slow Food anschließt und die Philosophie lebt, soll aber auch die Hersteller und deren Produkte kennen und im Sinne der ökologischen landwirtschaftlichen Nutzung den Rhythmus der Jahreszeiten akzeptieren und respektieren. Wie in jeder sozialen Bewegung, so besteht auch Slow Food zuallererst einmal aus Menschen. Frauen und Männer teilen auch hier eine gleiche Idee. Eine Lebensphilosophie. Und diese Philosophie fordert

das Recht auf kulinarischen Genuss und auf Langsamkeit und Muße

in der heutigen Zeit ein, welche als Grundpfeiler der Bewegung zu verstehen sind.
Gegründet wurde Slow Food in Paris, die Bewegung jedoch stammt aus Italien. 1989 wurde Slow Food offiziell ins Leben gerufen und zu einer internationalen Bewegung. Die Philosophie (oder besser gesagt, das „Rezept“) von Slow Food, bewusst und mit Verantwortung zu genießen, sich Kenntnisse aneignen und dieses Wissen zu erweitern, wurde schnell über die Landesgrenzen Italiens hinaus getragen. Auf der Gründungsveranstaltung wurde ein Manifest verabschiedet, welches die oben bereits genannten Grundsätze des Genusses und der geschmacklichen Vielfalt lokaler Gerichte festhält. Slow Food als Gegenspieler zur weltweiten Massen-Sozial-Bewegung Fast Food. Warum Fast Food von der Mehrheit der Bürger so stark angenommen und an der Verbreitung dieser Bewegung so stark gearbeitet wurde, ist wohl darin zu sehen, dass leider die Fähigkeit der Verbraucher, das Gute zu schätzen, stark abgenommen hat. Scheinbar ist ihnen nichts anderes mehr bekannt. Wie denn auch. Schnell zubereitet und günstig soll die Mahlzeit sein, die der Konsument zu sich nehmen will. Tempo und Hektik unserer Zeit nutzten Großkonzerne wie Mc Donald’s und Pizza Hut aus, um der Gesellschaft ihren Stempel der Geschmacksverflachung & -eintönigkeit auf zudrücken. Doch wäre die Philosophie von Slow Food zu einfach erklärt, wenn gesagt sein soll, Slow Food wäre der erbitterte Gegenspieler von Fast Food. Während der Großteil unserer Gesellschaft sich scheinbar aus freien Stücken immer mehr dem Phänomen „Fast Life & Fast Food“ ausliefert, sind die Slow Food-Mitglieder mit diesem Zustand nicht einverstanden. Der sinnliche Genuss – Langsamkeit ist das Gegenmittel gegen gieriges Hinunterschlingen, ist die Ernährungsmethode, die uns abhanden gekommen ist. Petrini spricht ganz richtig von einer „kulinarischen Verarmung der Sinnesorgane“ bei jungen Menschen, welche ausgelöst von der einseitigen Ernährung mit Fast Food Produkten, die Gesundheit gefährden. Der Fast Food Lebensstil zerstört aber auch eine „jahrhundertealte Kultur des Kochens und Essens.“ Eine mögliche Lösung der Fast Food Macht zu entkommen formuliert Petrini mit den Worten: Um die Entdeckung des langsamen Genusses zu fördern, muss man reisen, lesen, kosten [...]. Überall auf der Welt andere Speisen zu essen, ist die Antwort auf die Verflachung durch Fast Food. Das Land speisend entdecken. In Italien hatte es mc Donald’s Anfangs schwer, Fuß zu fassen. Slow Food konnte zwar in den Großstädten Italiens nicht gegen den kulturellen Stars-and-Stripes-Imperialismus ankämpfen, bemühte sich aber dafür auf dem Land um so stärker, die lokalen Osterien und deren traditionelle Gerichte vor dem Aussterben zu unter- und zu beschützen. Slow Food Mitglieder setzen gegen den Trend Fast Food und organisieren beispielsweise Förderkreise für vom Aussterben bedrohte Lebensmittel, Nutztiere und Nutzpflanzen, sorgen für Vorträge und Fachseminare zu Themen rund ums Essen und empfehlen Erzeuger- und Gastronomiebetriebe, die nach den Slow Food-Kriterien wirtschaften.

Fragen denen sich der “Normalverbraucher” beim Kauf bestimmter Lebensmittel bewusst werden sollte, wären beispielsweise: Warum kommen Bratwürste mit Geschmacksverstärkern daher? [...] Die Antwort auf solche oder andere Fragen [...] lautet: Auf den „Verbrauchergeschmack“ getrimmte Produkte verkaufen sich im Laden einfach besser.

Ein einfaches Beispiel. Verlässt du dein trautes Heim in Köln (oder wo auch immer du gerade wohnst oder wohnen willst) und verreist nach Frankreich (oder wohin du auch gerade verreisen willst), wäre und ist es dir das Liebste, im Supermarkt genau die gleiche Salami im Regalfach der dortigen Kühltruhe vorzufinden, wie zu Hause. Dieser Wiedererkennungswert hat wohl was Heimeliges. Aber muss das sein? Wollen wir das? Wieso nicht mit dem im Magen satt werden, was dort angeboten wird. Ist Einöde gleich Vielfalt? Daher kann die Devise laut Radu Ferendino nur lauten: “Wider dem uniformen Geschmack.”
Wird man mich im Supermarkt beim Zugreifen eines 0815 Produktes antreffen, so soll gesagt sein, auch mit einer kleinen Geldbörse und uniformierten Lebensmitteln lässt sich mit viel Hingabe und den nötigen Extras ein wunderbar schmackhaftes Essen kochen, dass am Ende nicht nach Einfarbigkeit im Einkaufskorb aussieht.
Und allen die eine literarische Begleitung zum Essen suchen, sei Cookys von Werner Köhler empfohlen. Guten Appetit!

links:
http://www.slowfood.de

1 Antwort zu “Slow Food”


  1. 1 Anne

    Ein sehr guter Artikel, ich wusste garnicht, dass sich hinter dem Namen Slow Food eine solche Bewegung versteckt. :)
    Mir fiel beim Lesen gerade ein, dass ich schon ziemlich lange in keinem FastFood-Lokal unterwegs war – das Essen dort ist mir nicht nur zu teuer (für das, was man bekommt), sondern es ist auch tatsächlich langweilig, denn immer dasselbe…

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