Thalia, Klappe die II. – Sommerschlussverkauf beim Branchentycoon

Ein bekanntes Sprichwort sagt über Vorurteile, dass diese schwerer zu zertrümmern seien als Atome. Nach einem neuerlichen Rundumblick durch die THALIA-Buchhandlung kann ich dies nur unterstreichen. Man kann mir zwar vieles nachsagen, aber an mangelnder Konsequenz scheine ich nicht zu leiden. Mit dem anfänglichen Eindruck, dass es ja schon nicht mehr so schlimm sein könne, betrat ich das Etablissement. Ich hatte mich aufgemacht, ein wenig am Abbau meiner Engstirnigkeit zu arbeiten. Schlendern, stehen bleiben, suchen, ärgern – so in etwa könnte man die Steigerung meiner Gefühle beim Rundgang durch den Laden beschreiben.Es ist mir unbegreiflich, wie man es schaffen kann, auf dieser Quadratmeterzahl so dermaßen schlecht sortiert zu sein, wie THALIA es ist. Man sollte doch meinen, dass man auf dieser Fläche nicht nur die Spiegel-Bestseller-Liste unterbringen kann, sondern auch die eine oder andere Rarität. Stattdessen finde ich neben Samentütchen (das ist dann aber auch das Einzige, was an dieser „Buchhandlung“ eine blühende Zukunft hat) auch Kaffee und Schokolade. Manns Zauberberg liegt achtlos in der Ecke neben der Bohlen-Biographie.

Dass man der beschriebenen Stapelwirtschaft noch eins draufsetzen kann, bewies die letzte Aktion des Thalia-Konzerns, denn sommerlicher Werbemüll in meinem Briefkasten verkündete Großartiges: „Alles muss raus – Sommer-Lese-Vergnügen zu Tiefstpreisen, keine alten Schinken“. Aha. Wenn ich mir jetzt die Sonderstände in der Shopping-Mall rund um meinen Lieblingsfeind anschaue, stelle ich fest, dass in Riesenkisten tausende Bücher sämtlicher Frauenromanschreiberinnen und billige Krimis “liebevoll” als hochwertige Literatur verramscht werden. Da kann man doch gleich zum Buchverkauf nach Kilogramm übergehen, eine äußerst effektive Maßnahme, welche vielleicht so ganz nebenbei endlich mal dazu beiträgt, dass die Stapel im Entree kleiner werden. Den alten, in die neue Belegschaft übernommenen Weinert-Mitarbeitern muss doch manchmal das Herz bluten. Meins ist im Angesicht der vor mir ausgebreiteten Grauenhaftigkeiten schon ausgeblutet, ich komme mir vor wie ein Opferlamm, das zum Schächten verurteilt wurde.
So denn, ihr THALIA-Musen: gebt euch doch endlich ein Profil und lasst künftig nicht mehr nur die Samen, sondern auch die Vielfalt unter den dargebotenen Werken sprießen, das wäre doch wahrlich viel passender zur Sommerzeit, oder?

Kleiner Nachtrag: Auch die Buch & Kunst-Buchhandlung im Magdeburger City Carré gehört schon eine kleine Weile zur THALIA….

1 Antwort zu “Thalia, Klappe die II. – Sommerschlussverkauf beim Branchentycoon”


  1. 1 martin

    ich will hier ja nicht von ewiggestrigkeit sprechen, aber eine tendenz dahin ist bei dir schon zu erkennen. was ist dein problem? wenn du in buch suchst, dann frag nach oder stoebere ;). falls sie es nicht haben sollten werden sie es dir sicher bestellen…
    versteh mich nicht falsch, ich mochte weinert auch mehr. aber im endeffekt stehen in den regalen auch nur die gleichen buecher, in den die gleichen woerter stehen und diese vemutlich auch die gleichen seitenzahlen (je nach auflage) haben. wie bereits erwaehnt, du musst diesen laden nicht betreten. es ist ganz allein deine freie entscheidung, sowie meinung… :)

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