The Kids Are Alright

Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass in den letzten 4 Jahren der Amtszeit des Präsidenten der letzten verbliebenen Supermacht einiges passiert ist? Nein!
Den Startschuss gab die Wahl 2000, die nach diversen Unstimmigkeiten bei der Auszählung in einem Desaster endete und George W. Bush mit wenigen 100 Stimmen Vorsprung ins Weiße Haus beförderte.

Nach dem Schock des 11. September und der damit verbundenen geistigen Lähmung wurde man sowohl außenpolitisch als auch innenpolitisch überaus aktiv.
Man brach 2 Kriege vom Zaun, schuf oder erweiterte diskriminierende Gesetze, riss ein riesiges Loch in den Haushalt, steigerte das Außenhandelsbilanzdefizit auf ein neues Rekordniveau und entwarf eine Steuervergünstigung, die für ca. 99% der Bevölkerung den Namen nicht verdient. Lediglich das marode Gesundheits- und Bildungssystem blieb unangetastet. Aktivismus hat schließlich auch seine Grenzen!
Anhand dieses noch überschaubaren Auszugs an Fakten stellt sich mir die Frage, die sich der Mehrheit der Amerikaner anscheinend nicht stellt: „Sitzt dieser Mann noch zu Recht im Weißen Haus, oder sollte man den Weg für Veränderungen mit der Wahl eines neuen Präsidenten ermöglichen“!
Diese oder ähnliche Fragen stellten sich viele clevere Köpfe, die im Vorfeld dieser Wahl zahlreiche Initiativen ins Leben riefen, die vor allem junge und unentschlossene Menschen motivieren sollten, gegen George Walker „Texas Ranger“ Bush ins Feld zu ziehen.
Mit Erfolg! Trotz der Niederlage Kerrys stimmten 54% der 18- bis 30-Jährigen für eben jenen Mann aus Boston und nur 45% für Bush!!!
Doch wer steckt hinter diesen Initiativen, die insgesamt 4,6 Millionen junge Menschen mehr als 2000 zur Wahlurne bewegen konnten?
Da wäre zum einen dieser dicke Doku-Filmer mit Basecap aus Flint/Michigan, Michael Moore, der den Menschen frische Unterwäsche versprach, damit sie am Wahltag zur Urne gehen. Selbst in Zeiten von „TRL“ und „Dismissed“ versuchte MTV ihre eher politikträgen Zuschauer zu überzeugen, wählen zu gehen. Der Sender war mit „Choose Or Lose“ am Start. P. Diddy schloss sich mit „Vote Or Die“ an. Außerdem wurden viele andere Organisationen aus Politik, Kultur und Fernsehen aktiv und riefen Wahlinitiativen ins Leben.
Mein Hauptinteresse galt jedoch der Initiative Punkvoter von Fat Mike, dem Chef des Punkrocklabels Fat Wreck Chords und Sänger der Kult-Combo NOFX, der eine Koalition aus Bands, Labels und Fans schuf, um eine vereinte Front zu schmieden, Bush aus dem weißen Haus zu jagen. Der Plan von Punkvoter war, Millionen von Punkrock-Fans zu informieren, zu inspirieren und zu entrüsten, um sie als politische Waffe einzusetzen, mit der zu rechnen sein würde. Mit einer Registrierung auf der Internetseite verpflichtete man sich, am Wahltag wählen zu gehen. Als Gegenleistung wurde u.a. die „Rock Against Bush“-Tour organisiert, die quer durch die Staaten tourte und gute Musik für wenig Geld versprach. Mit dabei waren unter anderem die Punk-Millionäre Green Day, The Offspring und Sum 41, Kultbands wie Lagwagon, Pennywise oder NOFX, aber auch zahlreiche Underground-Bands, die hierzulande nur wenigen ein Begriff sein werden.
Fazit: Der Aufruf war ein Erfolg. Die Fans hatten ihren Spaß, Punkvoter die gewünschten Wähler.
Trotz der nie dagewesenen Mobilisierung junger Menschen führte das Engagement von Punkvoter und den zahlreichen anderen Initiativen nicht zum gewünschten Ergebnis. Bush sitzt immer noch da, wo er nie hätte sitzen dürfen, an den Hebeln der Macht. Bis 2008.
Auch wenn sie ihren alten Gegenspieler dank amerikanischer Verfassung dann los sind, die Idee, der politische Kampf und die Mobilisierung der Massen, werden es dem Präsidenten nicht gleich machen und abtreten.

0 Antworten zu “The Kids Are Alright”


  1. Keine Kommentare

Eine Antwort hinterlassen