Touché!

Aus der Serie „Deutschland eine Weltreise“: Waterloo

Von Uwe, Marco und Martin

Nachdem wir uns auf unserer „Weltreise“ bisher nur in sonnenreichen Gegenden unseres Planeten herumgetrieben haben und vielleicht der Eindruck enstanden sein mag, wir täten dies nur zu unserem Vergnügen, war die Zeit längst gekommen, um die Ernsthaftigkeit unserer Expedition unter Beweis zu stellen. Am geeignetsten dafür erschien uns ein Ausflug in die oftmals dunkle Vergangenheit Europas. Da die Geschichte unseres geliebten Heimatkontinents geprägt ist von blutigen Auseinandersetzungen, lag es nah den Originalschauplatz einer dieser heroischen Gemetzel zu besuchen. Es gibt nur wenige Schlachten die ihren Bekanntheitsgrad über die etlichen Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte dermaßen aufrechterhalten konnten, wie jene bei Waterloo. Dies mag zum einen am klingenden Namen der belgischen Ortschaft liegen, die ihr den Namen gab, welcher schließlich auch ABBA zum größten Grandprixhit aller Zeiten inspirierte. Zum anderen war diese Schlacht einer dieser magischen Momente in denen sich ganz Europa in seinem Herzen einfand, um sich mal wieder so richtig die … ähh … Meinung zu sagen. Kein Wunder also, dass sich der Sitz der Europäischen Union in genau jenem kleinen Land befindet, in dem auch die Schlacht bei Waterloo stattfand.

Als wir das Ortseingangsschild von Waterloo hinter uns gelassen haben, stellen wir fest, dass diesen, nicht besonders großen, Ort eine morbide Ruhe erfüllt. In Andacht an die gefallenen Helden versunken, nehmen wir in Anbetracht des herrschenden Friedhofswetters ersteinmal einen Glühwein zu uns, um die müden Geister unserer Seelen aus der Totenstarre zu reißen, die uns erfasst hat. Die verwunschene Athmosphäre scheint sich durch das Nichtvorhandensein von Menschen außerhalb ihrer geschützten Mauern noch zu verstärken. Die Ruhe vor dem Sturm oder auch die Leere nach dem Kampf, wenn nur noch die Toten als stumme Zeugen des Geschehenen zurückbleiben, wird für uns fühlbar wie die Wärme des Glühweins in unseren Körpern. Doch mehr oder weniger nüchtern betrachtet stellen wir fest, dass kaum etwas tatsächlich an das brutale Morden erinnert. Obwohl das Wort “Schlacht” ganz offensichtlich von Schlachten kommt, scheint dies nicht der Ort vielfachen Tötens und Sterbens zu sein. Wir sind im Gegenteil überrascht, welch seltsame Ordnung in diesem Ort herrscht. Sie konterkariert geradezu das Chaos, welches 1815 entstand als sich die französische Streitmacht unter Führung von Napoleon Bonaparte in ihrer Niederlage gegen Engländer und Preußen geradezu kopflos in sämtliche Himmelsrichtungen auflöste. Die Menschen hier geben sich ganz offensichtlich große Mühe bei der Pflege und Reinhaltung ihres Ortes. Die Fassaden sind schmuck verklinkert, die Türen und Tore frisch gestrichen und der Rasen in den Vorgärten mit Liebe und Leidenschaft getrimmt. Das einzige, was noch ein wenig an die Schlacht erinnert, ist der Kampf von Zierbrunnen und Modell-Windmühle gegen die Übermacht der Gartenzwerge. Vielleicht ist das eine hintersinnige Art Vergangenheitsbewältigung, die die wackeren Waterlooner in Trauer um die ca. 57000 Menschen erdacht haben, die hier ihr letztes Gefecht bestritten. Mit diesen Gedanken verlassen wir schließlich den Ort des Grauens über eine lange graue Allee, die scheinbar ins Nichts führt.

Waterloo (gehört zum Ortsteil Βlüthen der Gemeinde Karstädt)

Bundesland: Brandenburg
Postleitzahl: 19357
Einwohner: 80 ( davon 64 wahlberechtigt )
Highlights: Ortseingangsschild, Zierbrunnen, Kopfsteinpflaster,
unzählige Gartenzwerge
Entfernung: von Magdeburg ca. 140 Kilometer

Wie kommt man hin?:

Mit Auto: von Magdeburg B189 Richtung Norden (Stendal,Wittenberge)
in Perleberg nach links auf B5
kurz vor Karstädt rechts in Richtung Waterloo

Mit Bahn/Bus:mit dem Zug nach Wittenberge
Umsteigen in Zug nach Perleberg
Am ZOB Perleberg in den Bus nach Waterloo
(dauert insgesamt ca. 3h und ist nur in der Woche möglich)

1 Antwort zu “Touché!”


  1. 1 Jonas

    Schön das mal einer den kampf der gartenzwerge erwänt, schrecklich, furchtbar….

Eine Antwort hinterlassen