Schon früh in meiner Kindheit bekam ich diesen Satz zu Ohren und wusste ihn seitdem stets einzuordnen und zu meinem Besten zu nutzen. Damals wollten meine Eltern mich noch mit diesem Satz entweder zum Aufräumen meines Zimmers, zum Lesen eines Buches oder zum Hausaufgaben machen animieren. Sie hielten immer was sie versprachen. Auch wenn die Art der Belohnung stets anders und manchmal auch unbefriedigend für mich ausfiel, meine Eltern brachen nie ihr Versprechen und belohnten den von mir gezeigten „Ergeiz“.
Erst neulich blätterte ich bei strahlend blauem Himmel und 30 Grad Außentemperatur in meinem Zimmer am Schreibtisch sitzend in der wunderbaren Zeitschrift für Populärkultur und Bewegungskunst LOWDOWN und stieß auf einen Artikel über ergeizige Surfbretthersteller im sonnigen Bundesstaat Kalifornien. Die Bilder des Artikels Stumbling Into Giants ließen mich an vergangene Urlaubs- und Ferientage am Strand im sonnigen San Diego zurück denken. Wie gerne hätte ich jetzt Ferien und würde den Schreibtisch in der Universitätsbibliothek Magdeburg gegen mein Board und Sand in den Schwimmshorts eintauschen, um dem Sonnenuntergang stressfrei entgegen zusurfen. Die Sehnsucht und das Verlangen nach Freiheit und dem damit verbundenen Nichtstun griffen in meinen Gedanken den Teil meines Gehirnapparats an, welcher diszipliniert und wissenshungrig meinen Körper jeden Tag aufs Neue an die Uni schleppt. Wieso dieser Mechanismus des konsequenten Arbeiten und Lernen trotz solcher Bilder, Erinnerungen und bestem Wetter vor meiner Haustür funktioniert?
Ganz einfach. Die Motivation der Belohnung meiner Eltern aus frühen und glücklichen Kindertagen treibt mich noch heute dazu, erst die wichtigen Aufgaben im Moment zu erledigen, um im Augenblick der Erfüllung dieser Aufgaben jetzt schon wartend, die Belohnung in Empfang nehmen zu können. Geändert hat sich nicht viel. Der einzige Unterschied zu damals besteht heute lediglich darin, dass ich mir diese Belohnung selbst in Aussicht stelle. Im August habe ich meine Prüfung fürs Erste hoffentlich mit dem best möglichstem Ergebnis den Korrekteren zur Korrektur gegeben und kann mit meinen Eltern an die Nordseeküste reisen.
Mit dieser Belohnung in Aussicht, die Wellen jeden Morgen und jeden Abend für einen begrenzten Zeitraum sehen zu können, lohnt es sich, die noch zu bewältigenden Aufgaben in Angriff zu nehmen.
Mag die Sonne derzeit auch noch so verführerisch am Himmel hoch oben stehen und auf mich herab lachen, die Dinge die für eine gute Universitätslaufbahn zu erledigen sind, um später eine aussichtsreiche Anstellung zu finden, erledigen sich leider nicht von selbst. In meinem Leben wird es noch zahlreiche sonnige Tage geben, welche sich zu genießen lohnen. Die Belohnung wird also eines Tages auch für mich in Aussicht stehen.


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