Mitten in der heißen Diskussion um Patente und Urheberechte in Bezug auf Software aber auch Unterhaltungsmedien wie Musik und Film ging Anfang 2001 ein radikaler Gegenentwurf zu konventionellen Wissensammlungen wie Lexika an den Start. Eine freie Enzyklopädie im Internet, die jeder lesen und an der jeder mitschreiben konnte, sollte ebenso süße Früchte tragen, wie sie die Opensource-Gemeinde schon länger anbaut, erntet und genießt.
Die Idee einer solchen Enzyklopädie stammt vom WikiWikiWeb, kurz: Wiki, was hawaiianisch ist und “schnell” bedeutet. Ein solcher Wiki ist eine Homepage, auf der jeder die einzelnen Seiten im Browser ohne technische Kenntnisse erstellen und verändern kann. Links zwischen den Seiten werden direkt und unproblematisch hinzugefügt. Die einzelnen Änderungen an den Seiten werden so dokumentiert, dass nachvollziehbar ist, was hinzugefügt, geändert oder gelöscht worden ist. Für eine Enzyklopädie bedeutet dies, dass ein Eintrag zu einem bestimmten Thema ständig verbessert werden kann und somit stetig aktuell ist.
Das Konzept, dass der Leser vom Empfänger zum Sender, also Autor wird, hat nicht zuletzt auch durch den Erfolg von Wikipedia, das Rechercheverhalten vieler Menschen nachhaltig verändert. Statt eine feste Redaktion dafür zu bezahlen, dass sie Wissen sammelt und zusammenführt – wie es eben für konventionelle Lexika getan wird -, stellt die gesamte Nutzerbasis zumindest potenziell die Redaktion dar. Kein kommerzieller Anbieter könnte eine solches Team bezahlen. So wie Idealisten und Perfektionisten freie Software als technische aber auch ökonomische Alternative zur kommerziellen Software entwickeln, haben die Wikipedianer eine Alternative zu klassischen Lexika geschaffen – nur dass Wikipedia nicht mehr die Alternative darstellt.
Die englische Wikipedia zählt heute 420.307 Beiträge, die deutsche Variante hat als zweitgrößte immerhin 176.463 Artikel (Stand 12.12.04). Außerdem gibt es unzählige weitere Versionen in vielen Sprachen. Dass sich Wikipedia nicht nur mit anderen Nachschlagewerken messen kann, sondern diese oft auch schlägt, hat ein Testbericht in der Computer-Fachzeitschrift c’t (Ausgabe 21/04) ergeben, in welchem die deutsche Wikipedia die höchste durchschnittliche Gesamtpunktzahl erreicht. Probleme wie Vandalismus, also dass Seiten gelöscht oder verunglimpft werden, haben die Wikipedianer gut im Griff. So ist es möglich, den eigenen Artikel zu “beobachten”, also bei zukünftigen Änderungen benachrichtigt zu werden. So kann man nachvollziehen, wie sich der Beitrag entwickelt. Auch gibt es zu jedem Artikel eine eigene Diskussionsseite, auf der inhaltlich debattiert werden kann.
Möchte man sich also über ein bestimmtes Themengebiet informieren, ist es oft effizienter, Wikipedia direkt zu konsultieren, statt eine Suchmaschine zu bemühen. Da es der Anspruch ist, Wikipedia so nützlich und brauchbar wie möglich zu machen, kann man von einer gewissen Qualität ausgehen. Und sollte man bei weiterer Recherche auf neue Erkenntnisse stoßen, kann man diese gleich bei Wikipedia mit einarbeiten.
Übrigens sind alle Artikel auf Wikipedia mit der GNU Free Documentation License versehen, die für die Dokumentation von Software einst erstellt wurde und im Prinzip einen ähnlichen Schutz wie die freie Software bietet. So gibt es einerseits keine Nutzungsbeschränkungen und andererseits ist eine Vervielfältigung erlaubt, wenn die Quelle angegeben ist.
http://de.wikipedia.org – die deutsche Wikipedia
http://de.wikinews.org – Nachrichten wikiisiert


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