Wohin?

Eine Kritik der hiesigen Sportstättenpolitik

Zeit: ein Wochenende im Spätsommer 2006
Ort: Magdeburg

Situation: der FCM erwartet nach 3 verpassten Aufstiegen und ebenso vielen Lizenz – bzw. Insolvenzverfahren seine Fans zum ersten Heimspiel, der SCM gewann zum 2. Mal die Champions League nach dem überragenden Gewinn der Meisterschaft (nur 3 Minuspunkte) im letzten Jahr

Wohin? Ja wohin, wird sich der sportinteressierte Magdeburger fragen.

Die Stadt hat ihr neues „Schmuckkästchen“ bekommen, die steril und klobig wirkende HochTief-Arena soll ab sofort das altehrwürdige Ernst-Grube-Stadion vergessen machen. Allerdings mit über einem Vierteljahr Verspätung, sodass auch der Plan als WM-Trainingsort begraben werden konnte.

Frontenwechsel: SCM-Manager Hildebrandt hat nach ca. 17 Drohungen gen Stadtväter diese auch Realität werden lassen und den Umzug nach Berlin zur neuen Saison angekündigt, da die 8000 Zuschauer fassende Bördelandhalle den Ansprüchen eines Handballereignisses auf Bundesliga- und internationaler Ebene nicht mehr gerecht wird.

Was für ein Jammer?! Da wird dem hiesigen Fan die Entscheidung nicht leicht gemacht, für welches „Sportereignis“ man sich entscheiden soll.

Variante 1 wäre der FCM… 12 € Eintritt (ermäßigt) für ein Oberliga-Spiel, ein Stadion, indem die ca. 3400 Zuschauer verloren wirken wie Nemo in den Weiten des Ozeans! 12 mitgereiste Fans aus Auerbach, die die ersten 20 Minuten damit beschäftigt sind , zu realisieren, dass um ein Fußballfeld auch Tribünen existieren. 10 Vip-Logen, von denen 9 komplett leer stehen und eine einzige vollendet wurde, aber nur weil sich Vortstandsvorsitzender Hans-Peter Keitel von HochTief angesagt hat. Das Spiel, das dem Oberliganiveau gerecht wird: Fehlpässe, technische Fehler und Grätschen, dass dem Platzwart schon zur Halbzeit Angst und Bange um seinen neuen Rasen wird.

Variante 2 wäre der SCM… Handball der Spitzenklasse mit einer Mannschaft aus internationalen Stars und jungen einheimischen Talenten, die Lust auf Handball weckt.

Aber auch ein Anreiseweg von ca. 140 km gen Osten in die Hauptstadt. Ein samstägliches Verkehrschaos, das es in sich hat. 18 € für den billigsten Sitzplatz, der soweit vom Spielfeld weg ist, dass man denkt, man würde das Spiel vom Berliner Fernsehturm aus betrachten. Die Stimmung, die durch ca. 5000 Magdeburger immer wieder neue Nahrung erhält, aber in der Weite der Halle und durch die Lethargie der gut 7000 anderen „Handball-Experten“ aus und um Berlin immer wieder Richtung Nullpunkt sinkt.

Nun ist es an der Zeit, wo sich der geneigte Beobachter die Frage stellt: „Wohin?“ Was wird aus dem Sport in unserer Stadt? Spielt der FCM in den nächsten Jahren immer noch Oberliga und kämpf der SCM dann immer noch mit dem Identitätsverlust?

Oder wird der Fußball endlich mal zweitklassig und der Handball durch erweiterte Bördelandhalle wieder heimisch?

Zu wünschen wäre es…

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